Biosprit-Beimischung macht Diesel teurer

29. Juli 2005, 14:53
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BP Österreich-Chef bestätigt Preiserhöhung von 1,7 Cent je Liter - Umweltministerium kontert: Biosprit-Beimischung darf Mineralölkonzernen nicht als Ausrede für hohe Preise dienen

Wien - Hinter vorgehaltener Hand hatte es in der Mineralölwirtschaft bereits geheißen, dass Diesel durch die geplante Biosprit-Beimischung ab kommendem 1. Oktober noch teurer werden wird. BP Österreich-Chef Hans Strassl hat das jetzt offiziell bestätigt. Nach vorläufiger Rechnung sei mit einer Verteuerung an den Zapfsäulen von 1,6 bis 1,7 Cent je Liter (nach Steuer) zu rechnen, sagte Strassl am Dienstagabend zur APA.

Die Senkung der Mineralölsteuer um 0,5 Cent je Liter für Diesel mit einem Anteil von knapp 5 Prozent Biosprit werde nicht ausreichen, um die Mehrkosten zu kompensieren. Endgültig habe BP die Mehrkosten aber noch nicht kalkuliert. Letztendlich werde es auch vom Markt abhängen, ob die Mineralölwirtschaft die Zusatzbelastung zur Gänze an den Kunden weitergeben werde.

"Haben null Interesse an höheren Preisen"

Grundsätzlich stehe BP "neutral" zur neuen Biosprit-Regelung. "Wir sind nicht dagegen, aber hoffentlich kostet es nicht nur", sagte Strassl weiter. Die Vorwürfe aus dem Umweltministerium, wonach die Mineralölwirtschaft die Biosprit-Beimischung als zusätzliches Argument für die zuletzt ständig steigenden Spritpreise missbrauche, weist er zurück. "Wir haben null Interesse, die Preise noch höher zu machen, als sie sind", betonte der BP-Manager.

Keinen Biosprit beimischen wird BP zu seinen Premium-Produkten "Ultimate Diesel". Dort steigt dadurch gemäß Gesetz per 1. Oktober die Mineralölsteuer von 0,302 Euro auf 0,325 Euro. Ob sich auch der Preis für das ohnehin schon deutlich teurere Premium-Produkt entsprechend erhöhen wird, ist laut Strassl noch nicht entschieden: "Wir wollen mit dem Preis für Ultimate aber nicht zu weit vom Normal-Diesel wegkommen."

Fünf Prozent Bio-Diesel nötig

Nach dem Gesetz müssen die österreichischen Mineralölkonzerne ab dem 1. Oktober 2005 ihrem herkömmlichen Diesel 5 Prozent Bio-Diesel beimengen. Auf Diesel ohne diese entsprechende Beimengung wird eine zusätzliche Mineralölsteuer (MöSt) von 1,7 Cent aufgeschlagen, für Diesel mit Beimischung wird die MöSt dagegen um 0,5 Cent gesenkt.

Ministerium: Bio-Diesel "kostenneutral"

Mit dieser Steuerspreizung habe man die Mehrkosten für die Beimischung einkalkuliert. Die Einführung des Bio-Diesels sollte daher "kostenneutral" möglich sein, meinte Gerhard Popp vom Umweltministerium am Dienstag auf APA-Anfrage. Auch wenn der Mineralölwirtschaft zur Argumentation der stetig steigende Spritpreise ein neuer Faktor als Alternative zum Ölpreis gelegen komme, denke er nicht, dass es den Konzernen gelingen werde, sich auf die Umweltmaßnahmen zu berufen, meint Popp. Er gehe davon aus, "dass die Unternehmen im Interesse der Kunden und der Umwelt Kosten sparend kalkulieren werden".

ARBÖ verlangt höheren Steuerbonus

Laut ARBÖ-Generalsekretär Rudolf Hellar haben in einer Umfrage zwar mit Ausnahme von Shell alle Markentankstellen ausweichend geantwortet, letztendlich aber doch eine Preiserhöhung wegen der Biosprit-Beimengung angedeutet. Nur einige kleinere Anbieter wie etwa A1 Tankstellen, AVIA Eigl und Genol schließen Preiserhöhungen durch die Einführung von Biodiesel ausdrücklich aus.

Der ARBÖ hatte einen höheren Steuerbonus von 1,8 Cent pro Liter verlangt. "Damit wäre wenigstens der zugemischte Biospritanteil von der Mineralölsteuer befreit gewesen und die Autofahrer hätten die Chance auf eine kostenneutrale Lösung gehabt", glaubt Hellar. (APA)

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