Verrichtungsbox

    19. Juli 2005, 14:17
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    Wie sich Berlin auf die Fußball-WM vorbereitet

    Nur damit Sie wissen, was gemeint ist, wenn Sie je auf dieses Wort stoßen sollten: Weil die Stadt Berlin zur Fußball-WM im kommenden Jahr einen Großansturm von Prostituierten erwartet, wird über Alternativen zum Straßenstrich nachgedacht. Eine davon ist die Errichtung so genannter „Verrichtungsboxen“, in denen Prostituierte und Freier ihren Tätigkeiten nachgehen können (Danke an „ma zaun“ für den Tipp).

    Das Boxen-Modell wurde einem Stern-Bericht zufolge im niederländischen Utrecht erstmals erprobt und dann nach Köln importiert. Die Verrichtungsboxen – eine Art von Garagen mit Sichtschutz - stehen auf einem umzäunten Gelände und sollen die Gewalt von Freiern gegen Prostituierte signifikant eingedämmt haben. Die Bezeichnung „Verrichtungsbox“ – sie sei, ebenfalls laut Stern, lupenreines Amtsdeutsch - hat freilich eine absichtsvoll widerwärtige Note, weil sich das „Verrichten“ üblicherweise nicht auf den Geschlechtsverkehr bezieht, sondern auf diverse Akte der Ausscheidung.

    In einem Chatroom für deutsche Senioren (www.seniorentreff.de) wo das Wort ebenfalls unangenehm aufgefallen ist, wurde über Alternativen nachgedacht: Auf Anklang stießen dabei die „Paarungshütte“ und die „Fummelkiste“. Zu Recht: Menschenfreundlicher als die „Verrichtungsbox“ klingen sie allemal.
    Von
    Christoph Winder

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