WorldCom-Gründer Ebbers erwartet am Mittwoch hohe Strafe

13. Juli 2005, 12:11
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Ende eines amerikanischen Traums

Vom Milchmann, Rausschmeißer und Sportlehrer zu einer der mächtigsten Figuren der US-Telekombranche: Früher verkörperte Bernard Ebbers den amerikanischen Traum, heute nur noch den Albtraum aller Anleger. Ebbers, Gründer des Skandal- und Pleitekonzerns WorldCom, ist ebenso steil abgestürzt wie er einst nach oben schoss. Bereits im März von einer Jury wegen Bilanzschwindelei in Höhe von elf Milliarden Dollar für schuldig befunden, erwartet ihn am Mittwoch in New York die Verkündung seiner Strafe.

Der 63-jährige Selfmademan muss fürchten, den Rest seines Lebens hinter Gittern zu verbringen - die Höchststrafe für seine Vergehen liegt bei 85 Jahren.

Die Geschworenen wollten Ebbers nicht abkaufen, dass er von den Finanz-Tricksereien in seinem Konzern nichts gewusst habe. Der für seine Detailversessenheit bekannte Tycoon, der sich sogar über die Kaffee-Kosten in seiner Firma den Kopf zerbrach, wollte die ganze Schuld auf seinen früheren Finanzchef Scott Sullivan schieben. Die Juroren aber hielten Sullivan für glaubwürdiger. Dieser sagte aus, Ebbers habe seine Mitarbeiter unter Druck gesetzt, die Bilanzen zu frisieren.

Der WorldCom-Skandal hatte vor drei Jahren ein Erdbeben in der Finanzwelt ausgelöst. Nachdem der Konzern einräumen musste, über eineinhalb Jahre hinweg 3,85 Milliarden Dollar an Ausgaben für gemietete Telefonleitungen als Investitionen statt als laufende Kosten verbucht zu haben, stürzte die Aktie um mehr als 90 Prozent ab. Anleger verloren Milliarden und 20.000 Beschäftigte ihre Jobs. WorldCom flüchtete sich im Juli 2002 unter das schützende Dach des US-Konkursrechts, um unter dem Namen MCI an seiner Sanierung zu arbeiten - es ist der bis heute größte Konkurs der US-Geschichte.

Ebbers aber musste mitansehen, wie nicht nur sein Ruf, sondern auch sein Reichtum schwand. Erst vor wenigen Tagen willigte er ein, fast sein gesamtes Restvermögen abzustoßen, um Forderungen früherer Anleger von etwa 45 Millionen Dollar zu begleichen.

Damit ist die Karriere eines außergewöhnlich charismatischen und durchsetzungsfähigen Aufsteigers dramatisch gescheitert. Ebbers, der als Sohn eines Handlungsreisenden geboren wurde, stieg als Betreiber einer Motel-Kette in das Geschäftsleben ein. Mit Freunden gründete er Anfang der achtziger Jahre eine kleine Telefongesellschaft, die er über die Jahre hinweg durch eine Serie von Aufkäufen zu einem Giganten hochzog. Sein spektakulärster Coup gelang Ebbers 1997, als WorldCom zum Preis von 40 Milliarden Dollar den Konkurrenten MCI schluckte.

Zwei Jahre später, als Ebbers zum Preis von mehr als 115 Milliarden Dollar den Rivalen Sprint aufkaufen wollte, schoben die Wettbewerbshüter einen Riegel davor. Dieser Rückschlag, verbunden mit einem allgemeinen Abwärtstrend auf dem Telekommunikationsmarkt, war der Anfang vom Ende von WorldCom. Die Bilanzpfuschereien, mit denen der Konzern seine immer schwierigere Lage zu kaschieren suchte, begannen kurz danach. Und Ebbers, der für seine privaten Anlagen Kredite bei der eigenen Firma aufgenommen hatte, stand schließlich mit 366 Millionen Dollar bei WorldCom in der Kreide. Als er deshalb mit Ermittlungen der Börsenaufsichtsbehörde SEC konfrontiert wurde, trat er im April 2002 vom Unternehmensvorsitz ab - wenige Monate, bevor der Bilanzskandal aufflog.

Ebbers galt stets als Spitzenmanager der eher unkonventionellen Art. Nicht nur, dass der 1,90-Meter-Hüne in Cowboystiefeln und Jeans zur Arbeit kam, was ihm den Spitznamen "Telekom-Cowboy" eintrug. Auch trug der Baptist die Religion ins Big Business, indem er Geschäftssitzungen oft mit einem Gebet eröffnete. Nun ist Ebbers auf die Gnade einer überaus irdischen Instanz angewiesen. Seine Richterin Barbara Jones bat er um eine milde Strafe - unter Hinweis auf seine Herzprobleme und sein Engagement für wohltätige Zwecke.(Von Daniel Jahn/AFP)

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