Radikale Islamisten in Österreichs Verfassungsschutzbericht

19. Juli 2005, 14:18
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Sprecher des Innenministeriums: "Kein erkennbares Bedrohungspotenzial"

Wien - Auch wenn von der islamistischen Szene in Österreich laut dem Sprecher des Innenministeriums Rudolf Gollia "kein erkennbares Bedrohungspotenzial" ausgeht, wird im Verfassungsschutzbericht von möglichen Gefahren seitens radikaler Gruppen gewarnt. "Eine mittelfristige Gefährdung ergibt sich aus in Österreich lebenden radikalen Islamisten, die sich für den Jihadismus interessieren und potenziell zu Anschlägen innerhalb und außerhalb von Österreich motiviert werden können", heißt es in dem Bericht.

"Sie pflegen überdurchschnittlich intensive internationale Kontakte in der ganzen Welt. Entsprechend wäre auch eine logistische Unterstützung von einreisenden Terroristen durch diesen Personenkreis ein realistisches Szenario", steht es in dem Bericht weiter. Gollia schränkt jedoch ein: "Wir kennen diese Szene seit langem, bisher ist sie nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten", sagte der Innenministeriumssprecher. Bei der Gruppe handle es sich "um eine Hand voll" Leute, die den Behörden bekannt sind.

Rekrutierung über Schneeballeffekt

Der Verfassungsschutzbericht: "Die sich bisher abzeichnende Rekrutierung in dieser Szene verläuft primär über den Schneeballeffekt im Dunstkreis von radikal einzustufenden Moscheen bzw. Gebetshäusern. Muslimische Personen, die aus dem arabischen Raum nach Österreich gekommen sind, um hier zu studieren oder zu arbeiten, besuchen Moscheen, um soziale Kontakte zu knüpfen. Es sind dann oftmals vermeintliche neue Freunde, die vorerst sehr hilfreich bei der Niederlassung waren, die später ihre radikalen Ansichten in langen und umfangreichen Gesprächen ihrem Gesprächspartner nahe bringen. Extremistische Literatur und Videos von Kämpfen und Tötungen in Bosnien, Tschetschenien oder Afghanistan werden zusätzlich an die einzubindenden Personen verteilt."

Gollia betonte, dass die Behörden natürlich sofort aktiv werden würden, wenn Teile der Szene, in irgendeiner Form mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden könnten. Dies sei bisher allerdings noch nicht notwendig gewesen. (APA/red)

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