Ex-Manager will Interna veröffentlichen

31. Juli 2005, 18:22
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Entlassener Personalchef soll mit Verlagen über Enthüllungsserie verhandeln - Erste Vernehmungen zur Korruptionsaffäre - Markenchef präsentiert Sparprogramm

Wolfsburg/Braunschweig - Einen Tag vor der Sitzung des VW-Aufsichtsratspräsidium drohen Europas größtem Autobauer in der Korruptionsaffäre offenbar neue Enthüllungen. Die "Wirtschaftswoche" berichtete am Dienstag vorab, der entlassene frühere Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster verhandle mit großen deutschen Verlagen, um ihnen die Exklusivrechte an einer Enthüllungsserie aus dem Innenleben des Autokonzerns zu verkaufen.

Das Präsidium des VW-Aufsichtsrates trifft sich am Mittwoch. Dabei geht es unter anderem um das Rücktrittsangebot von Arbeitsdirektor Peter Hartz. Der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff hatte sich bereits dafür ausgesprochen, das Rücktrittsangebot anzunehmen. Medienberichten zufolge wird nicht damit gerechnet, dass bei der Sitzung bereits ein Nachfolger für Hartz ernannt wird.

Erste Vernehmungen in der Korruptionsaffäre

An der Staatsanwaltschaft Braunschweig werde es möglicherweise noch in dieser Woche zu ersten Vernehmungen kommen, sagte Justizsprecher Klaus Ziehe am Dienstag auf Anfrage. Wann und an welche Staaten internationale Rechtshilfeersuchen gestellt werden, lasse sich noch nicht sagen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und Untreue gegen Ex-Skoda-Personalvorstand Schuster und dessen früheren Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer. Sie sollen ein internationales Geflecht von Tarnfirmen aufgebaut und damit Gelder, die VW oder Skoda zustanden, auf eigene Konten umgeleitet haben.

Indische Provinzregierung unter Druck

In der Affäre gerät nun auch die Regierung des indischen Bundesstaats und angedachten VW-Produktionsstandorts Andhra Pradesh unter Druck. Die Zeitung "Asian Age" berichtete am Dienstag unter Berufung auf eine "offizielle Quelle", die Regierung habe trotz Warnungen ranghoher Beamter zwei Millionen Euro an eine indische Tarnfirma und nicht an Volkswagen überwiesen. Zuvor soll Schuster gedroht haben, die angedachte Fabrik statt in Andhra Pradesh im benachbarten Bundesstaat Tamil Nadu bauen zu lassen.

Schuster habe der Regierung von Andhra Pradesh versichert, er könne den Vorstand vom Bau der Fabrik überzeugen, zitierte die Zeitung die nicht näher genannte offizielle Quelle weiter. Die Gelder waren nach Angaben der Regierung für den Aufbau eines gemeinsamen Unternehmens mit VW gedacht und flossen an eine Firma namens Vashishta Wahan. Laut VW ist der Autokonzern an einer solchen Firma aber nicht beteiligt. Die oppositionelle Telugu Desam Partei in Andhra Pradesh fordert inzwischen eine Untersuchung des Vorgangs durch die indische Bundespolizei.

Milliardenschweres Sparprogramm wird präsentiert

Der neue VW-Markenchef Wolfgang Bernhard wird nach Informationen aus Branchenkreisen an diesem Mittwoch Details seines milliardenschweren Sparprogramms vorstellen. Zusammen mit Finanzchef Dieter Pötsch werde er die Maßnahmen erläutern, hieß es am Dienstag. Pötsch werde ferner Details zum konzernweiten Nachfolgeprogramm des in diesem Jahr auslaufenden Sparplans "ForMotion" präsentieren. Ein Konzern-Sprecher wollte die Informationen nicht bestätigen.

Volkswagen hat für Mittwochnachmittag zu einer telefonischen Analystenkonferenz eingeladen, auf der laut Konzern-Mitteilung über die "Planungsrunde 54" informiert werden soll. Dabei geht es um den Fünf-Jahres-Plan des Unternehmens, den der Aufsichtsrat jeweils im November billigt. Der neue Plan gilt für die Jahre 2006 bis 2010.

In einem Interview hatte Bernhard erklärt, ein Leistungssteigerungs- und Sparprogramm über 7 Mrd. Euro sei notwendig, um bis 2008 die von Konzernchef Bernd Pischetsrieder anvisierte Ergebnisverbesserung zu erreichen. Der VW-Chef will das Unternehmensergebnis bis dahin um 4 Mrd. Euro verbessern. Nach bisherigen Angaben will Bernhard allein bis Ende 2006 bei den Materialkosten eine Milliarde Euro einsparen. (APA/dpa/AP)

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    Ex-VW/Skoda-Manager Helmuth Schuster steht im Verdacht, Bestechungsgelder auf eigene Konten umgeleitet zu haben.

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