Gehrer von Andrang nicht überrascht

13. Juli 2005, 18:03
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Bildungsministerin: Nichts zu tun wäre falsch gewesen - Grüne fordern Ausbau der Studienplätze

Wien - Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) zeigt sich nicht überrascht vom Ansturm auf die Medizin-Universitäten nach der Aufhebung der Positiv-Diskriminierung für österreichische Studenten durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Man habe dieses Interesse erwartet, meinte sie am Dienstag vor dem Ministerrat.

Für die Universitäten seien aber die Möglichkeiten geschaffen worden, die Beschränkung einzuführen, so Gehrer. Der Andrang zeige, dass der Ratschlag der Studentenvertreter, auch nach dem EuGH-Urteil nichts zu tun, falsch gewesen wäre.

Grüne fordern Ausbau der Studienplätze

Einen Ärztemangel befürchten die Grünen auf Grund des Andrangs deutscher Interessenten zum Medizin-Studium nach Österreich. Die Regierung müsse den Universitäten entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Anzahl der vorhandenen Studienplätze zu erhöhen, so der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald in einer Aussendung.

"Die Ärztekammer warnt bereits vor einem möglichen Ärztemangel in Österreich, da ein Großteil der nun angemeldeten Studierenden an den medizinischen Universitäten nach Abschluss des Studiums wieder nach Deutschland zurückgehen wird", meinte Grünewald. Problematisch sei auch die Tatsache, dass in mehr als einem Drittel der österreichischen Krankenhäuser das Arbeitszeitgesetz nicht eingehalten werde. Damit dies in Zukunft nicht mehr passiere, müsse der Ärztebedarf endlich gedeckt werden.

"Wir sehen, dass die Medizin Wien ein Problem hat", konzedierte die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) in einer Aussendung. Im Vorfeld der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu den Zugangsregeln an den österreichischen Unis war die ÖH von insgesamt nur 100 bis 200 zusätzlichen deutschen Studenten ausgegangen. Es gebe aber noch sieben andere beschränkte Studienrichtungen, "die überhaupt keine Probleme mit deutschen Inskriptionen haben", kritisierte ÖH-Vorsitzende Rosa Nentwich-Bouchal (Grüne und Alternative StudentInnen/GRAS).

Als "nicht zielführend" bezeichnete ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek die "grüne Hellseherei". Wenn Grünewald jetzt schon von einem Mangel an österreichischen Ärzten spreche, müsse er "hellseherische Fähigkeiten haben, denn die jetzige Anzahl an Studierenden ist auf den aktuellen Ärztebedarf genau abgestimmt", so Brinek in einer Aussendung. Die ÖH wiederum habe ständig damit argumentiert, dass man nach dem EuGH-Urteil vorerst abwarten solle und "keinen einzigen konstruktiven Vorschlag für Studierende eingebracht". (APA)

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