Unmögliche Berührungen

12. Juli 2005, 11:56
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Der österreichische Choreograf Philipp Gehmacher setzt mit seinem Stück "incubator" neue Zeichen im zeitgenössischen Tanz

Der österreichische Choreograf Philipp Gehmacher hat einen eigenen Ansatz im choreografischen Konzeptualismus entwickelt und setzt mit seinem Stück "incubator" neue Zeichen im zeitgenössischen Tanz


Als Jérôme Bel 1998 sein Stück The Last Performance vorstellte, hatte er sich vorgenommen: Danach ist Schluss. Heute gilt diese Arbeit als eine Ikone der konzeptuellen Choreografie. Bel hatte erkannt: The Show Must Go On! Nun zählt er zu den wichtigsten Tanzschaffenden überhaupt.

Der jetzt 30-jährige österreichische Choreograf Philipp Gehmacher hatte sich 1995 vorgenommen, mit 30 aufzuhören. Glücklicherweise hat er sich's wieder überlegt und stellt bei ImPulsTanz die jüngste Fassung seiner neuen Arbeit incubator vor. Das Stück hatte im Herbst des Vorjahres vom Tanzquartier Wien seinen Ausgang genommen und ist seitdem in jeweils veränderten Fassungen in Berlin, Brüssel und Lyon zu sehen gewesen. Das Bemerkenswerte darin: Gehmacher gelingt, weitab von Jérôme Bel, auch eine deutliche Abgrenzung zu verwandten Größen - etwa Raimund Hoghe, Xavier Le Roy oder Boris Charmatz.

Was bereits an früheren Arbeiten zu spüren war, zuletzt 2003 bei mountains are mountains, zeigt sich hier ganz klar: Gehmacher entwickelt einen eigenen Ansatz im choreografischen Konzeptualismus, der während der vergangenen zehn Jahre zu einer längst fälligen Erweiterung des Tanzbegriffs geführt hat. Der Österreicher setzt bei der Analyse der Geste an, die, über sich selbst hinausgeführt, zur "ausbrechenden" Berührung wird. Damit stellt incubator eine Studie im "Brutkasten" der zwischenmenschlichen Kommunikation dar. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.07.2005)

von Helmut Ploebst


"incubator" im Arsenal am 17. und 20. 7., 19.00
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    esswein
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