Beirut: Bombenanschlag auf Ministerkonvoi

24. Juli 2005, 17:59
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Attentat auf pro-syrischen christlichen Politiker - Lahouds Schwiegersohn leicht verletzt

Die Explosion war im Umkreis von einigen Kilometern zu hören und hinterließ einen mehrere Meter großen Krater. Der Anschlag in Antelias, einem christlichen Vorort von Beirut, am Dienstagmorgen galt dem Autokonvoi des libanesischen Verteidigungsministers Elias Murr.

Der Schwiegersohn von Staatspräsident Emile Lahoud überlebte mit Verletzungen im Gesicht und einen Bruch der Hand. Zwei Personen wurden jedoch bei dem Attentat getötet, zwölf weitere zum Teil schwer verletzt.

Das Attentat ist das dritte im Libanon innerhalb von zwei Monaten. Mit dem Anschlag auf Elias Murr wurde nun aber zum ersten Mal versucht, einen prosyrischen Politiker zu töten. Der aus dem Amt scheidende Verteidigungs- und vormalige Innenminister war seit Jahren ein treuer Gefolgsmann der Regierung in Damaskus.

"Murr hatte Zugang zu Informationen über alle terroristische Organisationen im Lande", sagte Michel Aoun, der im Mai aus dem Exil zurückgekehrte maronitische General, der mit dem Vater von Elias Murr bei den vergangenen Parlamentswahlen ein Zweckbündnis eingegangen war. "Folglich war Murr ein exponiertes Ziel eines Anschlages. Die Regierungsbildung wird sich aber deshalb nicht verzögern."

Nach über zwei Wochen langen Verhandlungen wollte der designierte Premier, Fouad Siniora, in diesen Tagen endlich sein Kabinett präsentieren. Strittig war die Besetzung des Justiz- und des Außenministeriums, die beide Saad Hariri für seine "Zukunftsbewegung" reklamierte. Nun geht das Justizministerium an einen Vertreter von Aouns "Freie Patriotische Bewegung". Den Posten des Außenministers soll Fawzi Salloukh, ein gemäßigter Schiit erhalten, den auch Amal und Hisbollah unterstützen.

Die Frage bleibt nur, ob Präsident Lahoud dem neuen Kabinett zustimmt. Er hatte für seinen Schwiegersohn Elias Murr das Verteidigungsressort gefordert. Bei einer Ablehnung durch den Staatspräsidenten muss ein neuer Regierungschef ernannt werden; die Kabinettsbildung würde dann von vorn beginnen.

Am Tatort in Antelias indes ermittelte am Dienstag auch der Deutsche Detlev Mehlis, Chef der UN-Untersuchungskommission zur Ermordung Rafik Hariris. Der Oberstaatsanwalt aus Berlin hatte Amtshilfe in Jordanien, Syrien und Israel erbeten, um Einsicht in Unterlagen des Grenzverkehrs zu bekommen. Nach Vernehmung von insgesamt 68 Zeugen und der Sichtung von 8000 Seiten an Dokumenten soll es einen Verdächtigen geben, meldeten libanesische Fernsehsender. Ein Name wurde aber nicht genannt. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2005)

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    Pro-syrischer Verteidigungsminister und Vizepremiers Elias Murr überlebte einen Anschlag.

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