Emotionelle Wechselbäder bei Nestroy-Spielen Schwechat

11. Juli 2005, 20:43
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"Der confuse Zauberer" im Schlosshof Rothmühle

Karel Gotts "Babitschka" musste genauso herhalten wie Rod Stewards "I am Sailing" oder eben die Bänkelgesänge des guten alten Adolf Müller: Helmut Emersberger, Thomas Hojsa und Horst Mayr untermalten das Nestroy'sche "Original Zauberspiel" Der confuse Zauberer zu jeder Szene mit der passenden Musik. Wichtig dabei war nur das gewisse Potenzial an Schunkeltauglichkeit.

Mit jenem Frühwerk um den Magier Schmafu (virtuos: Bruno Reichert) und den Zauberer Eigensinn (brillant: Franz Steiner), um die Feen Treue (Esther Potesil), Flatterhaftigkeit (Regine Rieger) und Melancholie (Maria Sedlaczek), welches mit einem fragmentarisch erhaltenen Vorläufer erweitert wurde, läutete Regisseur und Bühnenbildner Peter Gruber erfolgreich die 33. Nestroy-Spiele in der repräsentativen Rothmühle Schwechat ein.

Skurril, schrill und schräg plagt sich der glatzköpfige Protagonist Schmafu, und nicht nur er, mit seinen sexuellen Nöten und Verstrickungen. Konnte er doch in all seinen langen Lebensjahren nie seine Flatterhaftigkeit wirklich ausleben. Plötzlich - um den Preis enormer Konfusion - erhält er dazu Gelegenheit und stürzt sich in gefühlvolle Wechselbäder.

Nicht nur zu Zeiten Metternichs wollte über die Stränge geschlagen werden, auch heute hagelte es Extempores und Anspielungen auf politische Konfusionen. Schon deshalb einen Besuch wert. (henn/DER STANDARD, Printausgabe, 12.07.2005)

Schlosshof Rothmühle
Schwechat
01/707 82 72
01/960 96
Bis 30. 7., 20.30 Uhr

Nestroy.at
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