England: Anglikanische Kirche lässt Bischöfinnen zu

12. Juli 2005, 11:49
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Spaltung droht: Weitere Austrittswelle - 800 Geistliche kündigen Austritt an

London - Frauen können in einigen Jahren in der anglikanischen Kirche von England auch Bischöfinnen werden. Das ist das Ergebnis einer Abstimmung der Generalsynode in York, die eine weitere Austrittswelle von Mitgliedern der Staatskirche auslösen dürfte. Die 500 Delegierten beschlossen am Montag die "Entfernung rechtlicher Hindernisse" für die Bischofsweihe von Frauen. Da dieses Verfahren langwierig ist, kann es noch bis zu zehn Jahre dauern, ehe die erste anglikanische Bischöfin in Großbritannien ihr Amt antritt.

Erneute Austrittswelle

Vertreter des konservativen Flügels der von König Heinrich VIII. gegründeten "Church of England" haben gedroht, zum Katholizismus überzutreten. Dies war bereits bei Einführung des Frauenpriestertums 1993 in breitem Maße geschehen. Der Wechsel von mehreren anglikanischen Bischöfen und mehr als dreihundert Geistlichen zur römisch-katholischen Kirche aus Protest gegen die Frauenordination hatte die ökumenischen Beziehungen belastet. Die katholische Kirche hatte für übergetretene ehemalige anglikanische Priester eine Zölibatsbefreiung erlassen.

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Von den 38 anglikanischen Gliedkirchen weltweit haben bisher 14 auch das Bischofsamt für Frauen geöffnet. Die anglikanische Weltgemeinschaft zählt über siebzig Millionen Gläubige. BefürworterInnen sagen, es sei unlogisch, wenn Frauen zwar Priesterinnen werden könnten, aber keine BischöfInnen. Gegner argumentieren, dass ein Bischof noch viel stärker als ein Priester für alle Gläubigen akzeptabel sein müsse. Sie verweisen darauf, dass Jesus nur Männer als Jünger gewählt habe.

Pionierin

In den USA weihte die anglikanische Episkopalkirche, die in den vergangenen dreißig Jahren mehr als ein Drittel ihrer Mitglieder verlor, in der Person der Schwarzen Barbara Harris bereits 1989 eine Bischöfin. Sie war damals von der Church of England nicht anerkannt worden. Auf der Lambeth-Konferenz der anglikanischen Weltgemeinschaft war 1978 als Kompromiss beschlossen worden, es den einzelnen Gliedkirchen zu überlassen, ob sie Priesterinnen weihen.

Thema Homosexualität

Die Entscheidung der Episkopalkirche, einen bekennenden Homosexuellen (Gene Robinson im US-Saat New Hampshire) zum Bischof zu weihen, führte vor zwei Jahren zur Spaltung der anglikanischen Kirchenfamilie. Afrikanische und asiatische Kirchen empfanden dies als unvereinbar mit der Heiligen Schrift. Die gleichgeschlechtliche Ehe hatte die Synode der Episkopalkirche mit knapper Mehrheit verworfen.

"Aus der Tradition ausgeschlossen"

Der ökumenische Dialog hat nach Einschätzung des zum Katholizismus konvertierten anglikanischen Alt-Bischofs von London, Graham Leonard, keine Zukunft. Mit der Einführung der Frauenpriesterweihe hätten sich die AnglikanerInnen "aus der Tradition ausgeschlossen". Der theologische Dialog zwischen Rom und den auf das Schisma des Königs Heinrich VIII. zurückgehenden Anglikanern war nach dem historischen Treffen zwischen Papst Paul VI. und dem anglikanischen Primas und Erzbischof von Canterbury, Arthur Ramsey, 1966 im Vatikan aufgenommen worden. (APA)

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