Porträt: Colonel Eileen Marie Collins

26. Juli 2005, 16:58
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Shuttle-Pilotin mit Sehnsucht nach der Ferne - sie kommandiert den Flug der "Discovery"

Mit Peter Altenbergs kleinem Mäderl, das im Wiener Volksgarten verträumt einem Luftballon beim Entschwinden in die Freiheit nachschaut, hatte die kleine Eileen Marie Collins Ende der Fünfzigerjahre nur eines gemeinsam: den faszinierten Blick zum Himmel - in der Kleinstadt Elmira im US-Bundesstaat New York, einem Zentrum für Hangsegler.

Schon als Fünfjährige, erzählen ihre Eltern, sah die 1956 Geborene gebannt den Segelfliegern zu. Dass diese Begeisterung ihre Tochter letztlich zur Kommandantin eines Spaceshuttles machen sollte, hätten sie sich nicht träumen lassen.

Dafür waren Eileens Träume weit reichend. Nicht nur die Fliegerei hatte es ihr angetan, ihre Begeisterung für die TV-Serie "Raumschiff Enterprise" wuchs sich zum Ziel aus, selbst in den Weltraum zu kommen. Der Weg dorthin begann mit einer in ganz jungen Jahren absolvierten Ausbildung zur Pilotin und einem Mathematikstudium, danach ging sie 1978 zur Air Force und flog bald Kampfjets. Ihr Funk-Codename "Mom" passte bestens zu ihrem umsichtigen Wesen und ihrem Umgang mit den eher heißspornigen männlichen Kollegen.

1990 bewarb sich Collins, die sich selbst als "schüchtern" bezeichnet, erfolgreich bei der Nasa. 1995 steuerte sie als erste Shuttle-Pilotin die "Discovery" zur russischen Raumstation Mir; 1999 kommandierte sie als erste Frau eine Raumfähre, die "Columbia", die dann 2003 abstürzte.

Beim ersten Shuttle-Flug nach dieser Katastrophe wird Colonel Collins wieder das Kommando haben. Angst vor dem Unternehmen hat sie eigenen Worten zufolge nicht. Sie wisse um die Risiken, sie habe aber volles Vertrauen darin, dass alles Menschenmögliche zur Sicherheit der "Discovery"-Mission getan wurde. "Wenn es anders wäre, würde ich nicht hierhin gehören", sagt sie und setzt hinzu: "Sollte es irgendeinen Zweifel an der Sicherheit geben, werde ich kein Risiko eingehen und nicht starten."

Außer dem für sie typischen Bewusstsein für Verantwortung hat Collins genug private Gründe, ihr Leben nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen: In ihrem jetzigen Zuhause in San Antonio (Texas) warten ihr Ehemann (selbst Pilot) sowie ihre neunjährige Tochter und der vierjährige Sohn auf die Rückkehr der "wahren Miss Universe", wie Collins in Anspielung auf ihre Weltraumkarriere genannt wird.

Die Sehnsucht nach fernen Zielen ist ihr geblieben. Sie verteidigt den menschlichen Forscherdrang und meint: "Wir müssen wieder zum Mond und eine Raumstation bauen. Wir müssen auch zum Mars und dort eine Raumstation errichten."

Mit dem kindlich-elegischen Wunsch von Altenbergs Mäderl, einem Ballon die Freiheit zu geben, hat dies nur den Zweifel an der Erfüllbarkeit gemein. (Klaus-Peter Schmidt/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.7.2005)

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