Shuttle-Neustart mit Restrisiko

13. Juli 2005, 12:04
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Zum ersten Mal seit der Katastrophe der "Columbia" vor zwei Jahren soll am Mittwoch wieder ein US-Shuttle Menschen ins All bringen

Cape Canaveral - Die Anspannung ist vor dieser 114. Shuttle-Mission gewaltig. Denn ein neues Desaster würde den Ruf der Nasa ruinieren. Und es würde wohl auch das vorzeitige Ende der Shuttles und damit der ISS bedeuten, die auf Belieferung durch die Fähren angewiesen ist. Die Nasa hat daher diesen Shuttle-Flug so akribisch vorbereitet wie keinen zuvor. Der katastrophale Absturz der "Columbia" (sieben Tote) war durch ein Stück Isoliermaterial verursacht worden, das sich gelöst und ein Leck in die Hitzekacheln geschlagen hatte.

Neues Heizsystem

Umgerechnet 1,26 Milliarden Euro gab nun die Nasa aus, um die Mängel zu beheben. Der Isolierschaum ist nach einem neuen Verfahren angebracht, damit sich keine großen Stücke mehr lösen können. An der Hülle ist zudem ein Heizsystem installiert, um die Bildung größerer Eisbrocken zu verhindern, die ebenfalls Schäden am Orbiter verursachen können. Dieser wiederum wurde mit hitzeresistenteren Kacheln und 66 hochsensiblen Sensoren ausgerüstet, die jede Temperatur-und Materialveränderung registrieren.

Dennoch hat die Nasa nicht alle 15 Empfehlungen der Untersuchungskommission umgesetzt. Das von den früheren Astronauten Thomas Stafford und Richard Covey geleitete Gremium stellte fest, es bestehe weiter das Risiko, dass sich Brocken vom Tank lösen. Auch seien die Hitzekacheln nicht ausreichend gegen Einschläge verstärkt.

Trotz der fortbestehenden Mängel bemerkte Covey, er selbst hätte "keine Bedenken", in der "Discovery" mitzufliegen. Die Mission soll ein Testflug für die sicherheitstechnischen Neuerungen sein. Bei allen Modernisierungen ist aber klar, dass die seit 25 Jahren eingesetzten Shuttles 2010 ausgemustert werden. Das neue Raumschiff, das noch zu konzipierende "Crew Exploration Vehicle", soll auch Flüge zum Mars bewältigen.

Mit der "Discovery" nun sollen sieben Astronauten ins All starten; kommandiert von einer Frau, der 48-jährigen Eileen Marie Collins. Sie zeigte sich zuversichtlich, "dass wir so weit sind, diese Mission zu fliegen". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 7. 2005)

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