Fischer lässt NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amts überprüfen

13. Juli 2005, 16:24
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Außenminister setzt Kommission aus fünf Historikern ein

Berlin - Der deutsche Außenminister Joschka Fischer hat fünf Historiker aus dem In- und Ausland damit beauftragt, die NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amtes zu untersuchen. Eine Ministeriumssprecherin bestätigte am Montag in Berlin einen Vorausbericht des "Handelsblatts", wonach der Kommission drei deutsche, ein amerikanischer und ein israelischer Historiker angehören. Die fünf Geschichtswissenschaftler kämen erstmals im September zusammen, um einen konkreten Arbeitsplan zu verabschieden. Der Kommission gehören den Angaben zufolge die Historiker Klaus Hildebrand (Bonn), Eckart Conze (Marburg). Norbert Frei (Jena), Henry A. Turner (Yale) und Mosche Zimmermann (Jerusalem) an.

Hildebrand hat den Angaben zufolge ein Standardwerk zur Geschichte des Dritten Reichs geschrieben, Frei sich mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik befasst. Turner habe die Kontakte des US-Autobauers General Motors zum nationalsozialistischen Deutschland untersucht. Finanziert werde das Vorhaben zunächst vom Auswärtigen Amt. Aus Gründen der Unabhängigkeit werde auch eine Finanzierung durch wissenschaftliche Stiftungen erwogen. Untersucht werden solle die Rolle des Auswärtigen Dienstes zwischen 1933 und 1945. Geklärt werden solle auch, in welchem Umfang Diplomaten mit Nazi-Vergangenheit nach 1945 wieder eingestellt worden seien.

Fischer hatte Anfang des Jahres im Amt eine heftige Kontroverse ausgelöst, weil er die Nachrufpraxis für verstorbene Ex-Diplomaten geändert hatte. Anlass war ein Nachruf auf einen tief in das NS-System verstrickten Diplomaten. Fischers Entscheidung hatte bei ehemaligen wie auch aktiven Mitarbeitern des Ministeriums heftige Kritik hervorgerufen. (APA/Reuters)

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