Erfrischung für das neue Opernhaus

22. Juli 2005, 11:47
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Das Theater an der Wien bekommt ein Entree gestaltet von Künstlerin Valie Export und Architektin Golmar Kempinger-Khatibi

Ab dem Mozartjahr 2006 wird das Theater an der Wien als Opernhaus fungieren. Aus diesem Anlass geben Valie Export und Golmar Kempinger-Khatibi dem Eingangsbereich um 200.000 Euro einen Anstrich, der luftig, leicht und spielerisch ausfallen wird.


Wien - Die Entscheidung der Jury, der unter dem Vorsitz von Rüdiger Lainer auch Placido Domingo angehörte, fiel einstimmig aus: Valie Export und Golmar Kempinger-Khatibi gingen als Siegerinnen aus dem geladenen Wettbewerb zur Neugestaltung des Eingangsbereichs des Theaters an der Wien hervor.

Damit wurde ein lebendiges Projekt ausgewählt, das mit viel Licht und Luft zeitgenössische Kunst auf spielerische Art mit dem Werk Mozarts verbindet, das nächstes Jahr das Programm des Theaters an der Wien bestimmt. Das Siegerprojekt gliedert sich in mehrere Teile, in denen Kunst und Architektur ineinander übergehen: Das massige Vordach wird durch eine leichte Stahl- und Glaskonstruktion ersetzt, Glasstäbe werden in einem zufällig erscheinenden, computergenerierten System so angeordnet, das sie je nach Tages- und Nachtzeit unterschiedliche Licht- und Schattenspiele erzeugen.

Durch eine Hebung des gesamten Vordachs soll mehr Luftraum vor dem Eingang entstehen, zudem werden helle Steinplatten die Fassade und den Boden des erweiterten Vorplatzes in neuem Licht erscheinen lassen.

Das Zufallsprinzip spielt auch eine entscheidende Rolle im zweiten Teil des Konzepts, eine gefaltete, transparente Glasinstallation, die vom Gehsteigbereich auf der rechten Seite des Haupteingangs nach innen durch das Entree zum Vestibül führt. Valie Export visualisiert darauf ein musikalisches Würfelspiel aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, dem auch Mozart nicht abgeneigt war, um seinen Kompositionen mit zufälligen Elementen auf die Sprünge zu helfen.

Erwürfelte Zahlen, die für bestimmte Takte von Menuetten, Polonäsen oder Walzern stehen, werden dabei in ein Notensystem übertragen, sodass ein neues Stück entsteht. Die Zahlen- und Notenkomposition, die Export auf Mozart'sche Kompositionen überträgt, werden auf dem mit verschiedenen Farben beleuchteten "Glasparavent" zu sehen sein. Geplant ist auch ein virtuelles Würfelspiel, bei dem die Besucher basierend auf einem Stück von Iannis Xenakis selbst Zufallswerke komponieren und anhören können.

Die Lösung von Valie Export und Golmar Kempinger-Khatibi sei "keine monumentale", sondern signalisiere "auf subtile Weise" die neue Bedeutung des Theaters als Opernhaus, wie die Jury betonte. "Das Entree soll ein Symbol für die poetische Arbeit der Oper sein", erklärte Valie Export. Bis zur Premiere von Mozarts Idomeneo am 27. Jänner muss das Entree fertig sein, dann ist der Musicalbetrieb in diesem Haus endgültig Geschichte. (kri/DER STANDARD, Printausgabe, 12.07.2005)

  • Ein Vordach aus Glasstäben, das Licht reflektiert und Schattenspiele erzeugt: eine Metapher, die für das bewegte Wasser des Wienflusses steht - das ist der neue Blickfang des Theaters an der Wien.
    visualisierung: export/kempinger-khatibi

    Ein Vordach aus Glasstäben, das Licht reflektiert und Schattenspiele erzeugt: eine Metapher, die für das bewegte Wasser des Wienflusses steht - das ist der neue Blickfang des Theaters an der Wien.

  • Zahlen- und Notentafel nach dem Prinzip des ...
    visualisierung: export/kempinger-khatibi

    Zahlen- und Notentafel nach dem Prinzip des ...

  • ... Mozart’schen Musikalischen Würfelspiels.
    visualisierung: export/kempinger-khatibi

    ... Mozart’schen Musikalischen Würfelspiels.

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