OECD: Versicherer für Terror nicht gerüstet

27. Juli 2005, 18:53
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Die OECD beziffert die Schäden bei großen Terroranschlägen mit einer Bandbreite von 50 bis 250 Milliarden Dollar - Mit derartigen Dimensionen seien Versicherer überfordert, der Staat soll helfen

In einer ersten Grobschätzung hat die Investmentbank Merrill Lynch die Schäden der am vergangenen Donnerstag verübten Terroranschläge in London mit rund einer Milliarde Pfund (1,46 Milliarden Euro) beziffert. Der britische Terrorversicherer Pool Re wird Medienberichten zufolge voraussichtlich den Großteil der Anschlagschäden übernehmen.

Katastrophen nicht kalkulierbar

Unterdessen warnt ein Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) davor, dass Versicherer auf Terroranschläge nicht ausreichend vorbereitet seien. Finanzielle Schäden wie die der Terroranschläge vom 11. September 2001 etwa würden Versicherer nicht verkraften.

Mit ein Grund dafür sei die Schwierigkeit, solche Katastrophen überhaupt vorherzusehen. Die OECD nimmt den möglichen Schaden eines großen Terroranschlags mit 50 bis 250 Milliarden Dollar an und rät: Staaten sollten die Kosten übernehmen, die Versicherer und Rückversicherer nicht abdecken.

Für die Versicherungsbranche waren die Terroranschläge vom 11. September 2001 das teuerste Desaster aller Zeiten. Rückversicherer wie Swiss Re, weltweit Nummer zwei hinter der Münchner Rück, machten Verluste.

Vor diesem Hintergrund sei die Einschätzung, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Terroranschlag verübt werde, deutlich subjektiver als die Prognose von Naturkatastrophen, analysiert die OECD in ihrem Bericht.

Große Herausforderung

"Auch Jahre nach dem 11. September bleibt der Terrorismus eine große Herausforderung für die Versicherungswelt", heißt es weiter. "Weil er äußerst und in zunehmendem Maße unvorhersehbar ist, kann er schwieriger abgedeckt werden als andere Katastrophenrisiken."

Die OECD-Mitgliedsländer sollten ihre Unternehmen über Terrorrisiken informieren, fordert die Organisation. Ende des vergangenen Jahres hatten in den USA nur etwa 50 Prozent der Unternehmen eine Terrorpolizze, weniger als drei Prozent der dazu berechtigten Unternehmen hatten einen Vertrag bei der deutschen Terrorversicherung abgeschlossen.

Während sich die OECD-Länder auf private Terrorversicherungen stützen sollten, müssten die Regierungen dafür sorgen, dass solche Polizzen bezahlbar würden.

Reserven bereits angeknabbert

Terroranschläge könnten die Ressourcen privater und öffentlicher Versicherungen aufbrauchen und die wirtschaftliche Stabilität gefährden, warnt die OECD. Daher sollten die Länder in Erwägung ziehen, einander im Notfall gegenseitig zu unterstützen. (Philipp Goellner/Bloomberg, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.07.2005)

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