Monaco feiert neuen Fürsten Albert II.

23. Juli 2005, 14:58
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Grimaldi-Herrscher schließt weitere Kinder nicht aus

Monaco/Paris - Monaco feiert seinen neuen Fürsten: Mit einer Messe in Monacos Kathedrale wurde Albert II., der einzige Sohn des verstorbenen Landesvaters Rainier III., am Dienstag offiziell als neuen Grimaldi-Herrscher eingeführt. Der 47-jährige Junggeselle hatte die Regentschaft bereits am 31. März übernommen, als Rainier im Sterben gelegen hatte.

Die Teilnahme an den über den ganzen Dienstag verteilten Feiern war Monacos Bevölkerung vorbehalten. Vertreter des europäischen Hochadels und andere Staatsgäste werden erst zur festlichen Krönung am 19. November erwartet. Albert II. schloss nicht aus, dass er außer dem bald zweijährigen Alexandre Coste weitere nichteheliche Kinder hat.

In der Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis in Monaco wurde Albert von Erzbischof Bernard Barsi gesegnet. "Wir danken dem Herrn dafür, dass er die Fortführung der Dynastie gesichert hat", sagte Barsi bei dem Hochamt in dem mit Alberts Wappen geschmückten Gotteshaus. Nun sollten sich alle um jenen sammeln, "der nunmehr das Fürstentum führt", betonte der Erzbischof und nannte Albert einen "Familienvater". Neben dem neuen Fürsten und seinen Schwestern saßen Carolines Mann Ernst August von Hannover sowie Rainiers Schwester Prinzessin Antoinette.

"Wie die Hochzeit meines Sohnes"

An der Messe nahmen mehrere hundert Monegassen und einige hundert Berichterstatter und Fotografen teil. Sie wurde über Großbildschirme nach draußen übertragen. Judith Pollati, eine von Dutzenden von Schaulustigen, bemerkt, sie habe Albert und seine Schwestern aufwachsen sehen. "Heute ist es ein wenig wie die Hochzeit eines Sohnes."

In der Kathedrale ist Rainier an der Seite seiner Frau, der einstigen Hollywood-Diva Grace Kelly, in einer Gruft beigesetzt. Die Traumhochzeit der beiden war vor einem halben Jahrhundert eines der ersten großen Ereignisse der Fernsehgeschichte gewesen.

"Neue Ära"

Der französische Präsident Jacques Chirac verwies auf die "Schicksalsgemeinschaft" zwischen Frankreich und Monaco, die unter Albert noch verstärkt werden solle. Ein offizieller Besuch des Fürsten am 9. September werde von dieser Freundschaft zeugen, erklärte Chirac in Paris. Der Präsident des monegassischen Parlaments, Stéphane Valéri, sprach von einem "Moment der Freude nach dem Schmerz" der Trauer um Rainier. "Mit einem 47-jährigen Fürsten beginnt eine neue Ära", sagte Valéri bei der privaten Party nach der Messe in den Gärten des Grimaldi-Palastes.

Am Abend sollte Albert auch symbolisch den Schlüssel der Stadt Monaco erhalten und eine erste feierliche Rede halten. Nach einem Konzert im Grimaldi-Palast und einem Ball am Hafen sollte ein Feuerwerk (22.45 Uhr) den krönenden Abschluss des Festes bilden.

"Ungefähr dieselben Fälle"

Auf die Frage nach weiteren möglichen Kindern sagte Albert im französischen Fernsehsender TF1, es gebe "andere Personen mit ungefähr denselben Fällen". Er wisse von weiteren Anfragen auf Anerkennung der Vaterschaft; darauf werde er "zu gegebener Zeit" antworten. Das britische Blatt "Mail on Sunday" hatte zuletzt über die in Kalifornien lebende Amerikanerin Tamara Rotolo berichtet, die Albert nach ihren eigenen Angaben 1991 in Monaco getroffen hatte. Aus der Beziehung stammte demnach eine 1992 geborene Tochter.

In dem Live-Interview am Montagabend wirkte Albert II. gespannt. Er zeigte sich "äußerst schockiert", dass seine Vaterschaft des kleinen Alexandre im Mai enthüllt worden war, mitten in der dreimonatigen Staatstrauer um Rainier III. Gegenüber dem Buben habe er sich von Anfang an seiner Verantwortung gestellt, betonte er und verwies darauf, dass er die Vaterschaft vor einem Notar schon "vor praktisch zwei Jahren anerkannt" habe.

Die Eigenständigkeit Monacos unter dem einstigen Seeräubergeschlecht Grimaldi wurde 1512 von der französischen Krone anerkannt, 1612 wurden die Herren von Monaco in den Fürstenstand erhoben. Das Haus Grimaldi starb 1731 aus. Der heute regierende Fürst entstammt dem gräflichen Zweig der Familie Polignac, deren Oberhaupt seit 1780 die Herzogswürde zusteht. Fürst Louis II. (1870-1949), vor seiner Thronbesteigung 1922 französischer Divisionsgeneral, hatte als einziges Kind eine 1898 in Algerien geborene uneheliche Tochter, Charlotte-Louise Louvet, die er 1919 legitimierte und 1922 zur Erbprinzessin erhob. Sie heiratete 1920 den Grafen Pierre-Xavier de Polignac aus französischem Uradel. Diesem wurde die monegassische Staatsbürgerschaft verliehen und der Name Grimaldi übertragen. Der 1933 geschiedenen Ehe entspross Rainier, der 1949 die Nachfolge seines Großvaters Louis II. antrat. (APA/AFP)

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