Frauenchancen: Von Schweden lernen

29. Juli 2005, 20:40
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Geringere Lohnunterschiede, einkommensabhängige Karenz, volle Kinderbetreuung

Wien - Auch wenn in Schweden selbst - nach Jahrzehnten des "Aufholprozesses" von Frauen - die nunmehr wieder schlechtere Einkommensentwicklung heiß debattiert wird: Von außen betrachtet können Länder wie Österreich noch viel vom schwedischen Gleichberechtigungsmodell lernen.

SPÖ-Frauenvorsitzende Barbara Prammer plädiert beispielsweise für eine zeitlich wesentlich flexiblere Gestaltung des Kindergeldes, um mehr Väter zu motivieren, dem Nachwuchs zuliebe eine Zeit lang Büro und Haushalt zu vertauschen.

"Nur" um 18 Prozent weniger

Auf SP-Einladung war am Montag die schwedische Wissenschafterin Anita Nyberg, Professorin am Stockholmer National Institute for Working Life in Wien. Ihr Befund: In Schweden verdienen Frauen "nur" um 18 Prozent weniger als Männer, in Österreich ist es im Durchschnitt ein Drittel; Arbeiterinnen verdienen nach wie vor die Hälfte von Arbeitern.

Auch die Väterkarenz ist in Schweden viel häufiger als hier zu Lande. Grob gesprochen werden in Schweden 18 Prozent aller Karenztage von Vätern genutzt, in Österreich nur zwei Prozent.

Dies sei in erster Linie ein Verdienst der schwedischen Frauen, so Nyberg. Seit den 60er-Jahren seien die Schwedinnen massiv in vormals männerdominierte Berufe und in die Gewerkschaften gegangen, aber auch der schwedische Staat habe zu dieser Entwicklung beigetragen.

Einkommensabhängigen und flexiblen

Die "Hilfe" bestand etwa in einem tatsächlich einkommensabhängigen und sehr flexiblen Karenzmodell sowie in einer nahezu hundertprozentigen Verfügbarkeit von Kinderbetreuungseinrichtungen.

Sind Beruf und Familie - wie in Österreich - oftmals nicht in ausreichendem Maße vereinbar, reagierten Frauen teilweise mit der Verweigerung Kinder zu bekommen, so Prammer, da ihnen nichts anderes übrig bleibe. Doch auch an die Betriebe und Väter sei über Kampagnen zu appellieren, den Frauen "den Rucksack" zu erleichtern.

Für SP-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek muss die Aufhebung der Arbeitsmarktteilung in Frauen- und Männerberufe in der Schulzeit beginnen. Sie schlägt vor, arbeitslose Lehrer für die Berufsorientierung Jugendlicher zu schulen. (miba, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.07.2005)

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