Burgenland: Gerichtsmitarbeiter "jonglierte" mit Exekutionsgeldern

13. Juli 2005, 08:29
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Durch Umbuchungen über Jahre mehr als eine Million Euro transferiert - 170 Delikte - 200.000 Euro Schaden

Geld-Transaktionen im Ausmaß von insgesamt einer Million Euro, die er in seiner Eigenschaft als Gerichtsmitarbeiter veranlasste, brachten einen Beamten am Bezirksgericht Jennersdorf mit dem Gesetz in Konflikt: Der Mann soll in den vergangenen Jahren vielfach Geld von bei Zwangsversteigerungen eingerichteten Konten für sich abgezweigt haben. Um die auf diese Weise entstandenen Fehlbeträge abzudecken, buchte er jeweils Geld von weiteren Konten ab.

Auf diese Weise beging er laut Landesgericht Eisenstadt über Jahre hinweg insgesamt 170 Delikte mit einem Gesamtschaden von etwa 200.000 Euro. Der erste Manipulationsakt stamme aus dem Jahr 1977, hieß es aus dem Landesgericht zur APA. Die Transaktionen seien deshalb so lange nicht aufgefallen, weil der Beamte nach der Masche "Loch auf-Loch zu" jeweils neue Konten anzapfte, um damit frühere Zugriffe abzudecken. Einen Teil habe er auch durch eigene Einzahlungen ausgeglichen.

Aufgeflogen

Die Beträge seien insgesamt praktisch mit jeder Manipulation höher geworden. In dem Moment, wo der Mitarbeiter aus einem bestimmten Akt Geld brauchte, habe er es aber gehabt. Erst im vergangenen Mai konnte er die Lücke nicht mehr schließen, die Angelegenheit flog auf. Zum Schluss fehlten 200.000 Euro, die der Verdächtige gemeinsam mit seiner Familie bereits zurückzahlte. Der bekannte Kapitalschaden sei zur Gänze gut gemacht, es könnten noch Schäden durch Zinsverluste auftauchen, hieß es vom Landesgericht.

Der Gerichtsmitarbeiter sei sofort suspendiert worden, es laufe auch ein Disziplinarverfahren. Der Betroffene sei "ein langjähriger verdienstvoller Beamter" und gleichzeitig Rechnungsführer sowie Leiter der Exekutionskanzlei gewesen. So habe er sich auch quasi selbst Anweisungen für die Transaktionen geben können.

Die umfangreiche Aufarbeitung der Angelegenheit, die nun gerichtsanhängig wurde, zeigte auch ihre Auswirkungen auf die Kriminalstatistik für den Bezirk Jennersdorf: Sie weist für das erste Halbjahr 2005 einen Anstieg von 88,3 Prozent auf. Dies sei jedoch praktisch ausschließlich auf den aus 170 Delikten bestehenden Einzelfall zurückzuführen, so der stellvertretende Sicherheitsdirektor Thomas Schindler. Bei der Aufklärungsquote liege das Burgenland mit einer Steigerung von 49,4 auf 52,9 Prozent österreichweit unverändert im Spitzenfeld. (APA)

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