"Stolze Preise" für serbische Banken

29. Juli 2005, 11:43
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Trotz politischer Unwägbarkeiten hat der Staatenbund Serbien-Montenegro das Zeug für eine Boom-Region

Investieren oder nicht investieren? Das ist die Frage, die sich viele kleine und mittlere Unternehmer stellen, die auf dem serbisch-montenegrinischen Markt Gewinnchancen wittern.

Vor allem weil das politische Risiko schwer einzukalkulieren ist: Rechtsradikale Kräfte bedrohen die Regierung, und Montenegro will ein Referendum abhalten, das zum Zerfall der Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro führen könnte.

Ausländische Investoren lässt dies offensichtlich kalt. Es herrsche ein "unglaublicher Andrang auf den serbischen Bankenmarkt", sagte Alexander Picker, Generaldirektor der HypoVereinsbank (HVB) in Belgrad, zum STANDARD.

Es würden "stolze Preise" gezahlt. So blätterte Die Erste für die Novosadska Banka mit nur zwei Prozent Marktanteil rund 80 Millionen Euro hin. Gemeinsam haben Marktführer Raiffeisen, Hypo, HVB, Volksbank und Erstem einen Marktanteil von über 30 Prozent und sind damit Spitzenreiter in Serbien.

Hohe Margen

Picker wertet das große Interesse ausländischer Banken an den über 40 serbischen Instituten als Anzeichen dafür, dass sich Serbien in Richtung "Boom-Länder" entwickeln könnte. Nicht zuletzt deshalb, weil die Margen viel höher sind als anderswo und man bei geringerem Kapitaleinsatz und akzeptablem Risiko viel mehr verdienen könne.

Und: Die Durchdringung des Geschäfts mit den Banken sei noch relativ gering, die Wachstumsmöglichkeiten noch groß. Während das Verhältnis der Bilanzsummen der Banken zum Bruttosozialprodukt in Österreich bei 270 Prozent liege, betrage es in Serbien lediglich 38 Prozent.

Im Nachbarland Kroatien liege es schon bei über 100 Prozent. Alle Bankaktiva gemeinsamen betrügen in Serbien knapp über sechs Mrd. Euro, was weniger ist als die Bankaktiva der größten Bank in Kroatien.

Fehlendes Vertrauen

Das Vertrauen der Bevölkerung in die Banken hält damit freilich noch nicht Schritt. Hatten sie unter Diktator Slobodan Milosevic das Land und die Menschen doch systematisch ausgeraubt. Die größte Inflation der Weltgeschichte hat viele an den Bettelstab gebracht, während die Gefolgschaft Milosevic' durch Manipulation des Devisenkurses steinreich geworden ist.

Die psychologische Barriere besteht noch immer. Zumal sich die internationalen Mutterhäuser im Falle eines Bankrotts wohl ausrechnen würden, wie viel ihnen ihr Image wert ist. Rechtliche Verpflichtungen gegenüber ihren Einlägern hätten sie jedoch keine.

Es sei nicht vorstellbar, dass die HVB-Gruppe ihren Kunden in so einem Fall ihr Geld nicht zurückzahlen würde, versichert Picker, dessen Institut in Belgrad 40 Filialen und 80.000 Kunden zählt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.07.2005)

Andrej Ivanji aus Belgrad

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