EU-Kommission hat Roaminggebühren schon länger im Visier

29. Juli 2005, 14:00
posten

Marktmissbrauchs-Beschwerden gegen Mobilfunkbetreiber in Deutschland und Großbritannien am Laufen

Die EU-Kommission hat die Auslandstarife der Mobilfunkbetreiber bereits seit rund fünf Jahren im Visier. Nach einer Branchenuntersuchung wurden 2001 und 2002 Hausdurchsuchungen bei einigen Mobilfunkbetreibern durchgeführt und mündeten schließlich in Beschwerden gegen Vodafone, mmo2, T-Mobile, in denen ihnen Marktmissbrauch durch zu hohe Roaminggebühren in Deutschland und Großbritannien vorgeworfen wird.

Fragebogen

Im Dezember 2004 haben außerdem die nationalen Regulierungsbehörden vereinbart, mit einem gleich lautenden Fragebogen an die Mobilfunkbetreiber zu untersuchen, wie gut der Wettbewerb in ihren jeweiligen Märkten funktioniert. Ende Mai dieses Jahres kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Auslandstarife ungerechtfertigt zu hoch seien. Dies sei eine Folge sowohl der Gebühren, die die Mobilfunkbetreiber untereinander verrechnen, als auch der hohen Zuschlägen, die die in mehreren EU-Staaten vertretenen Handybetreiber ihren Kunden aus andern Ländern aufschlagen. Auch würden Senkungen der gegenseitig verrechneten Gebühren oft nicht an die Kunden weitergegeben.

Daher sollten die Bemühungen um eine harmonisierten Vorgangsweise bei den Roaming-Diensten vorangetrieben und die Roaming-Gebühren nun unter die Lupe genommen werden, wie dies auch der österreichische Telekom-Regulator angekündigt hat. Zudem wurde ein Projektteam eingerichtet, dass Möglichkeiten zur Erhöhung der Tarif-Transparenz prüfen soll. Im September wollen die Regulatoren bei ihrem nächsten Treffen die Fortschritte diskutieren.

Tarif-Transparenz

Die EU-Kommission setzt mit ihrer ab Herbst geplanten Website ebenfalls auf Tarif-Transparenz. Warum die Homepage erste im Oktober aktiviert wird, habe damit zu tun, dass es in jedem der 25 EU-Mitgliedstaaten drei bis vier Mobilfunk-Anbieter gibt, also etwa 5.000 Telefon-Kombinationen möglich seien, sagte ein Kommissionssprecher am Montag in Brüssel. Es sei auch nicht Aufgabe der EU-Kommission, Tarife festzusetzen. Man erhoffe sicher eher, dass die höhere Preistransparenz weitere regulative Eingriffe unnötig machen könnte.

1 Euro pro Minute bzw.

Aus den am Montag in Brüssel angegebenen Roaming-Gebühren (sie stammen von den Homepages einiger Mobilfunkbetreiber) geht hervor, dass ein Franzose, der von seinem Österreich-Urlaub zu Hause anruft 1 Euro pro Minute bezahlt, ein Deutscher bei einem Anruf aus Österreich in seine Heimat 1,70 Euro, ein Schwede wiederum 1,04 Euro und eine Holländer 1,38 Euro.(APA)

Share if you care.