Kärnten: Kinderporno-Prozess gegen Zuhälter

13. Juli 2005, 16:19
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Verbotene Fotos "aus Versehen auf Festplatte gekommen" - Prozess vertagt

Klagenfurt - Einer wahren Anklagenflut musste sich am Montag am Landesgericht Klagenfurt ein 40-jähriger gebürtiger Grazer stellen. Dem Ex-Betreiber eines Swingerclubs und Zuhälter werden unter anderem der Besitz von Kinderpornos, grenzüberschreitender Handel mit Prostituierten, Betrügereien und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Der Prozess wurde, wie schon vor einigen Wochen, vertagt.

Der Swingerclub im Klagenfurter Stadtteil Welzenegg war im vergangenen Jahr wegen illegaler Prostitution behördlich geschlossen worden. Zuvor hatte die Konkurrenz aus dem Rotlichtmilieu Anschläge mit Molotow-Cocktails auf das Etablissement sowie ein davor geparktes Auto verübt. Der angebliche Chauffeur des Besitzers wurde am Montag wegen Stromdiebstahls zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt. Zu den Vorgängen rund um den Swingerclub konnte er sich allerdings nicht äußern. Nach einem Reitunfall leide er unter schwerem Gedächtnisverlust, erklärte er.

80.000 pornografische Bilder

Im Mittelpunkt der jüngsten Verhandlung standen 80.000 pornografische Bilder auf der Festplatte des Zuhälters, worunter sich auch Kinderpornos befunden hatten. Von ihnen will der Angeklagte aber nichts gewusst haben, in der Vielfalt des heruntergeladenen Materials durch Internet-Tauschbörsen hätte er die "kritischen" Fotos einfach übersehen und deshalb nicht gelöscht. Gutachter Wolfgang Taschler schloss diese Möglichkeit in seiner Expertise nicht aus.

Verteidiger Franz Großmann versuchte, die Unschuld seines Mandanten mit einem Beispiel zu belegen: "Wenn ich heute im Internet den Begriff 'girls' eingebe und sich unter den gefundenen Dateien auch Kinderfotos befinden, kann es nicht sein, dass ich plötzlich vor ein Gericht muss." Richter Oliver Kriz verwies auf die strenge Gesetzeslage und bezweifelte zudem die Glaubwürdigkeit des 17-fach vorbestraften Angeklagten. Dieser beteuerte während des Prozesses mehrfach, dass er Kinderpornos selbst für "abartig" halte. (APA)

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