Med-Uni Wien stoppt Zulassung

18. Juli 2005, 20:13
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Seit Montag Mitternacht kann an der Wiener Medizin nicht mehr inskribiert werden- Auch Innsbruck bereits voll - Wer Studiengebühren umsonst eingezahlt hat erhält Geld zurück

Seit Montag Mitternacht kann an der Wiener Medizinuniversität nicht mehr inskribiert werden. Für die noch freien 600 Plätze gibt es 1500 Voranmeldungen, die meisten davon aus Deutschland. Die SPÖ wirft der Regierung zumindest Mitschuld an der Entwicklung vor.

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Wien – Die Medizinuniversität Wien brach am Montag um 24.00 Uhr die Vorerfassung für das Medizinstudium ab. Für die noch zur Verfügung stehenden 600 Plätze gibt es bereits 1500 Voranmeldungen, 1200 davon aus Deutschland, sagte Vizerektor Rudolf Mallinger. Fix inskribiert sind derzeit 950 Studenten. An Voranmeldungen verzeichnete die Uni 2450 Interessenten, insgesamt stehen 1560 Plätze zur Verfügung.

Wer sich vor 24 Uhr vorerfassen ließ, bekommt den Zahlschein für die Inskription noch zugesandt. Schnelles Einzahlen und umgehendes Inskribieren in der Studienabteilung könnte daher noch knapp einen Studienplatz sichern. Wenn die 1560 Plätze vergeben sind, wird auch die Inskription unterbrochen. Kleiner Hoffnungsschimmer für leer Ausgegangene: Es wird eine Warteliste angelegt, bei Ausfällen ist ein Nachrücken möglich.

Wer die Studiengebühren umsonst eingezahlt hat, weil er keinen Platz bekommt, erhält sein Geld zurück, versicherte Mallinger. Die Unterbrechung der Inskription dauert dann bis zum Inkrafttreten der Zugangsbeschränkungen, die noch den Bundesrat passieren, vom Bundespräsidenten unterzeichnet und veröffentlicht werden müssen.

An der Uni Innsbruck hat die Anmeldung an der Medizinfakultät vergangenen Freitag begonnen. Dort werden rund 570 Plätze postalisch vergeben. Mit der ersten Post am Montag kamen rund 600 Anmeldungen an – die Studienplätze waren am ersten Tag "ausgebucht". Auch hier kamen nach Auskunft der Studienabteilung "wahnsinnig viele" Anmeldungen aus Deutschland.

Für die SPÖ hat diese Entwicklung unmittelbar mit Österreichs "dilettantischcr Argumentation vor dem Europäische Gerichtshof (EuGH) zu tun. Justizsprecher Hannes Jarolim kritisierte, Österreich habe lediglich vorgebracht, dass in Medizin die Zahl der Studienbewerber bis zu fünf Mal so hoch sein könnte wie die Zahl der verfügbaren Studienplätze. Man hätte Studien über die Auswirkungen des Ausweichens deutscher Studierenden vorlegen können.

SP fordert Uni-Plan

VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek wies Jarolims "krause Behauptungen" umgehend zurück. Der EuGH lasse in Gleichheitsfragen keine wirtschaftlichen Argumente zu, so Brinek. Aufgrund des EuGH-Urteils dürfe es keine Bevorzugung von österreichischen Maturanten geben.

Sehr beeindruckt zeigte sich ihr SP-Pendant Josef Broukal davon nicht. Er fordert einen "nationalen Universitätsentwicklungsplan", der unter anderem festlegen solle, wie viel mehr Akademiker die Unis auszubilden hätten. Noch immer habe Österreich mit 14 Prozent eine beschämend geringe Akademikerquote, verglichen etwa mit 33 Prozent in Finnland. Erstellt werden soll der Plan von einer unabhängigen Agentur.

(Samo Kobenter/Der STANDARD-Printausgabe, 12.7.2005)

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    Am 4. Juli 2005 begann an der Medizinischen Universität in Wien die Inskriptionsfrist. Ab Mitternacht warteten die Studenten teilweise bepackt mit Feldbett und Schlafsack auf die Nummernvergabe. Im Bild präsentieren einige StudentInnen glücklich ihre Nummern.

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