Grüne kritisieren Geheimhaltung der IHS-Studie

11. Juli 2005, 14:12
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Van der Bellen: "Vernichtendes Zeugnis" für die Regierung - ÖGB, Frauenring und Volkshilfe fordern konkrete Maßnahmen

Wien - Die bisherige Geheimhaltung der Studie zu Frauenbeschäftigung vom Institut für Höhere Studien (IHS) sorgte auch am Montag wieder für Kritik. Alexander Van der Bellen, Bundessprecher der Grünen, vermutete in einer Aussendung am Montag ein "vernichtendes Zeugnis in Sachen Frauenbeschäftigung" für die Regierung. Dies sei der Grund für die Geheimhaltung. ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits (S) warf Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) bewusstes Verschweigen der Ergebnisse vor.

"Die Ergebnisse der Studie dokumentieren, dass der Regierung eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die für Frauen endlich echte Verbesserungen bringen würde, kein Anliegen ist", urteilte Van der Bellen.

Csörgits sieht auf Grund der Studienergebnisse dringenden Handlungsbedarf, da das IHS die Arbeitsmarktsituation der Frauen als problematisch einstufe. Laut der Studie ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Betroffenheit von Arbeitslosigkeit schon jetzt - anders als es die offiziellen Daten zeigen - höher sei als jene der Männer. Alarmierend sind für Csörgits auch die Schwierigkeiten von Frauen, von einem Teilzeitjob in eine Vollzeitarbeit zu kommen. Die ÖGB-Vizepräsidentin forderte deshalb erneut einen Rechtsanspruch auf Teilzeit mit Rückkehrrecht auf Vollzeit - und zwar für alle Eltern.

Umfassendes Maßnahmenpaket gefordert

"Es muss Schluss sein mit ein paar kosmetischen Maßnahmen, die bei Runden Tischen verkündet werden. Wir brauchen ein umfassendes Maßnahmenpaket, um bessere Beschäftigungschancen für Frauen zu schaffen", verlangte die ÖGB-Frauenvorsitzende. Notwendig seien jährlich 60 Millionen Euro zusätzlich für die aktive Arbeitsmarktpolitik, eine Qualifizierungsoffensive für Wiedereinsteigerinnen, spezielle Bildungsmaßnahmen für Migrantinnen und die Erleichterung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Prekäre Arbeitsverhältnisse

Die Volkshilfe Österreich sieht durch die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse auch einen Hauptgrund für die zunehmende Frauenarmut. 200.000 Frauen würden in Österreich in akuter Armut leben. Von der Steuerreform 2005 hätten Frauen kaum profitiert, weil sie so wenig verdienen würden, kritisierte die Organisation. Beschäftigung könne Armut verhindern, deshalb müssten "endlich" geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Es bestehe vor allem Handlungsbedarf bei den Wiedereinsteigerinnen. Eine Möglichkeit, die "vielerprobt und erfolgreich" ist, wäre etwa die Schaffung von zusätzlichen Plätzen in sozialökonomischen Betrieben, die auf die Bedürfnisse von Wiedereinsteigerinnen zugeschnitten seien.

Auch der Frauenring forderte ebenfalls in einer Aussendung am Montag konkrete Maßnahmen. Die Frauenministerin und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) würden die Arbeitsmarktsituation von Frauen "ständig schönreden", kritisierte Vorsitzende Sabine Oberhauser. Sie erwartet sich ein Ende des "Sprücheklopfens". (APA)

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