"Bottom up": Grüne wollen Kulturförderung umschichten

24. Juli 2005, 21:52
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"Kultur besteht nicht nur aus den großen Megahypes" und wenigen Spitzen - Mehr Unterstützung für regionale Initiativen und ganzjährig Kulturschaffende

Eisenstadt - Ein Umschichtung bei der Kulturförderung weg von großen Festivals und Events hin zu einer stärkeren Unterstützung für regionale Initiativen und ganzjährig Kulturschaffende fordern die Grünen. Neben einer Verdoppelung der Förderungen für regionale Kulturen im Kunstbudget des Bundes wünsche man sich auch mehr Transparenz und klare Richtlinien bei der Vergabe, so Kultursprecher Wolfgang Zinggl am Montag bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt.

"Die Bevölkerung macht die Kultur"

"Kultur besteht nicht nur aus den großen Megahypes" und wenigen Spitzen, "ein Land wie Österreich hat seine Kultur Bottom Up, die Bevölkerung macht die Kultur", meinte Zinggl, der im Sommer Kulturinitiativen in den Bundesländern besuchen will und zum Auftakt ins Burgenland kam.

Kritik am Verhältnis von Festivalförderung zum Rest

Für das Jahr 2006 erhielten die Salzburger Festspiele um eine Million Euro mehr als bisher, so der Abgeordnete. In Vorarlberg bekämen von elf Millionen Euro, die der Bund für die gesamte Kultur an das Bundesland gebe, zehn Millionen die Bregenzer Festspiele - "und alles andere eine Million."

"Barock" repräsentieren

Das Hauptaugenmerk der Bundesregierung liege "darin, dass man mit wenigen großen Festspielen repräsentieren möchte" und zeigen wolle, wie toll und wie barock man sei, "wie gut man sich selbst feiern kann", so Zinggl. Was im Land tagtäglich an Kultur gemacht wird, werde hingegen "runtergehungert".

Kunstbericht durchforscht

Beim Durchblättern des Kunstberichts 2004 des Bundes sei er auf "sehr überraschende Ergebnisse" gestoßen. So habe im Burgenland aus der Förderung für Film, Medien und Fotografie nur die Diözese Eisenstadt 1.000 Euro als Druckkostenzuschuss für einen Bildband über Kunst im Burgenland erhalten - "und das ist es" - bei 1,6 Mio. Euro Gesamtsumme aus diesem Bereich. Umgerechnet auf die Bevölkerung des Burgenlandes müssten 660.000 Euro zur Verfügung stehen, meinte Zinggl.

Bei der Bildenden Kunst gingen 91.000 Euro an das Burgenland, 340.000 Euro würden dem Land seiner Ansicht nach zustehen. Bei Musik und Darstellender Kunst würden dem Land zumindest 1,4 Mio. zustehen, "und eine halbe Million bekommt es."

"Erschreckende" Relationen

Dass die "Großen" mehr Bedarf an Unterstützung hätten, sei klar, "aber die Relationen insgesamt sind erschreckend", so Zinggl: Die Grünen würden massiv für eine Verdoppelung der Förderung für regionale Kulturinitiativen eintreten: "Wir glauben, dass es dringend notwendig ist, dass hier die Leute das Geld bekommen, die tagtäglich und ganzjährig Kultur machen und nicht immer nur die 'Reichen', die sozusagen eh schon den Speck haben, noch mehr dazu bekommen." Außerdem fordere man klare Richtlinien und Transparenz bei der Vergabe sowie eine stärkere Berücksichtigung der Grenzregionen.

Dass bei der Kulturförderung die "Kleinen" weniger Geld bekämen und die "Großen" mehr, sei ein Trend, der seitens des Bundes in ganz Österreich stattfinde. "Aber so markant wie im Burgenland ist er nirgendwo", meinte der Abgeordnete.

Nicht nur "kurzfristig spuckenden Feuerwerke" finanzieren

"Wir wollen darauf hinweisen, dass es ganz wichtig ist, nicht nur die Megahypes in Österreich und im Burgenland zu fördern", erklärte der burgenländische Kultursprecher der Grünen, Josko Vlasich. Es sei auch von großer Wichtigkeit, die ganzjährig tätigen Kulturinitiativen und Künstler im Land zu fördern "und nicht nur die kurzfristig spuckenden Feuerwerke, die die Fördergelder verbrennen". Im Bereich Musik und Darstellender Kunst etwa gingen von 475.00 Euro Bundesförderung knapp 400.000 an zwei Initiativen - die Seefestspiele Mörbisch (218.000 Euro) und die Haydn-Festspiele (160.000 Euro): "Da bleiben nur noch die Peanuts über", so Vlasich.

"Massive Ungerechtigkeiten"

Bei der Kulturförderung orten die Grünen "massive Ungerechtigkeiten". So hätten die alternativen Kulturzentren Cselley Mühle in Oslip, KUGA in Großwarasdorf und das OHO (Offenes Haus Oberwart) im Vorjahr um 65.000 Euro weniger Förderung vom Bund bekommen als vor dem Jahr 2000: "Das sind mehr als 40 Prozent an Kürzungen", allein die KUGA habe mehr als 70 Prozent der ursprünglichen Förderungen seither verloren, das OHO sei "cirka um 20 Prozent gekürzt worden", so Vlasich. (APA)

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