Theologen interpretieren Schönborns Aussagen

11. Juli 2005, 19:35
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Langthaler sieht Versuch, in einem Dialog zwischen Glauben und Biologie zu bleiben - Zulehner sieht in Europa kein Problem

Wien - Schützenhilfe für Kardinal Christoph Schönborn kommt von den Wiener Theologen Paul Zulehner und Rudolf Langthaler. "Das ist der Versuch, in einem Dialog zu bleiben, zwischen Glauben und Biologie", meint Zulehner zu den Aussagen Schönborns über die Evolutionstheorie. Für Langthaler wollte Schönborn lediglich klarstellen, dass er sowohl eine "biblizistische" Auslegung der Schöpfungsgeschichte im Sinne US-amerikanischer Kreationisten als auch eine biologistische Erklärung ablehnt, die völlig ohne göttliche Schöpfung auskommt.

Dass Schönborn mit seinen Aussagen einen "biblizistischen Kurzschluss" im Sinne der wörtlichen Interpretation des Sieben-Tage-Schöpfungsmythos begünstigen wollte, glaubt Langthaler nicht. Möglicherweise seien die Aussagen Schönborns aber missverstanden worden, weil Kreationismus in den USA eben die wörtliche Auslegung des Schöpfungsmythos beinhalte. Langthaler: "Wenn man in Amerika von Kreationismus spricht, dann gewinnt das eine besondere Färbung."

"Die Evolution hat in Gott ihren zureichenden Grund"

Einen Widerspruch zwischen katholischem Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie sieht Langthaler nicht. Denn, so der Professor am Institut für christliche Philosophie an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien: "Die Evolution hat in Gott ihren zureichenden Grund." Über die Existenz oder Nicht-Existenz eines göttlichen Planes in der Schöpfung können die Naturwissenschaften nach Ansicht von Langthaler keine Aussage treffen.

"Die empirischen Wissenschaften blenden natürlich notwendigerweise alle Faktoren aus, die nicht empirisch feststellbar sind", sagt Langthaler. Daher könne ein göttlicher Plan für sie "in dieser Weise nicht vorkommen". Ähnlich Zulehner: "Schöpfung findet unentwegt statt. In dem, was da zufällig erscheint, kann Gottes handeln präsent sein. Schöpfung findet immer statt, auch in dem vermeintlich zufälligen."

"Das ist ein Problem, das es in Europa so nicht gibt"

Zulehner betont, dass die katholische Kirche nur dann ein Problem mit der Evolutionstheorie habe, "wenn sie überzogen wird und sagt, die Biologie erklärt alles". Aber, so Zulehner: "Das ist ein Problem, das es bei uns in den Wissenschaften in Europa so nicht gibt. Ich sehe das auf beiden Seiten nicht." Vielmehr herrsche in Österreich auch in der Naturwissenschaft eine "Offenheit für spirituelle Aspekte". Zulehner glaubt daher an eine US-spezifische Debatte: "Das Problem wäre hier nicht entstanden." (APA)

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    Paul Zulehner: "Offenheit für spirituelle Aspekte" auch in der Naturwissenschaft

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