Schönborn möchte keine Gleichsetzung mit US-Kreationisten

11. Juli 2005, 19:35
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Kardinal sowohl gegen "abenteuerliche Hypothesen" zur Sechs-Tage-Schöpfung wie auch gegen nicht hinterfragbares (wissenschaftliches) Dogma

Wien - Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn will nach seinen Aussagen zur Evolutionstheorie nicht mit US-amerikanischen Kreationisten gleichgesetzt werden. Versuche, die Stellungnahme Schönborns "in die Ecke der 'Kreationisten' zu stellen" würden beim Kardinal ein "mildes Lächeln" auslösen, hieß es am Montag in der katholischen Presseagentur "Kathpress".

Via Kathpress verteidigt Schönborn seine in amerikanischen Zeitungen getätigten Aussagen: Es gehe ihm nicht um die Evolutionstheorie als solche, sondern um "Grenzüberschreitungen" einer Wissenschaft und um die Frage, "ob die Evolution 'ziel-los' oder 'zielgerichtet' ist". Schon Papst Pius XII. habe 1950 in seiner Enzyklika "Humani Generis" darauf hingewiesen, dass die Erörterung des Erklärungsmodells "Evolution" vom Glauben nicht behindert wird, wenn diese Diskussion im Rahmen der naturwissenschaftlichen Methode und ihrer Möglichkeiten verbleibt.

"Zeitlich erstrecktes Geschehen"

Einmal mehr verweist Schönborn auch auf Papst Johannes Paul II. Dieser habe 1985 festgestellt, dass "recht verstandener Schöpfungsglaube und recht verstandene Evolutionslehre einander nicht im Weg stehen": Evolution setzte Schöpfung voraus; Schöpfung stelle sich im Licht der Evolution als ein zeitlich erstrecktes Geschehen dar, in dem Gott als der "Schöpfer des Himmels und der Erde" den Augen des Glaubens sichtbar wird.

"Inakzeptabel" ist es für Schönborn allerdings, "wenn eine wissenschaftliche Theorie zum 'Dogma' wird, das nicht mehr hinterfragt werden darf". Die Unterscheidung wissenschaftlicher Aussagen von "weltanschaulichen Extrapolationen" sei Aufgabe von Philosophie und Wissenschaftstheorie. Welche Wissenschafter er konkret kritisiert, sagt Schönborn nicht.

"Ernsthafte Diskussion" über Zielgerichtetheit der Evolution ...

Schönborn betonte später im Radio-Mittagsjournal, "man kann und darf vom Glauben her nicht gegen das Wissen handeln. Glauben und Wissen sind nie ein Widerspruch. Versuche, mit abenteuerlichen Hypothesen die Erdgeschichte auf sechs Tage zu reduzieren, entbehrt jeder Seriosität, jeder Ernsthaftigkeit".

Schönborn wandte sich entschieden gegen Versuche, "die Diskussion über die Zielgerichtetheit, Finalität in der Biologie, Natur in diese Ecke abzudrängen". Wer dies mache, begehe ein Unrecht. "Man darf nicht mit Karikatur eine ernsthafte Diskussion beiseite schieben. Es gehe ihm darum, dass manche Leute nicht im Namen der Wissenschaft quasi dogmatisch befehlen, dass darüber nicht diskutiert werden dürfe. "Natürlich darf über 'intelligent design' diskutiert werden. Das wird in der Physik gemacht, erst Recht in der Biologie".

Schönborn ortet wissenschaftliche Inquisition

Über einen vernünftigen Plan hinter dem Leben zu diskutieren, sei etwas absolut Legitimes. "Wer das wissenschaftlich abdrehen will, handelt so, wie man der Kirche vorwirft, dass man nämlich Inquisition betreibt. Das ist die Speerspitze meines Artikels. Ich plädiere für wissenschaftliche Freiheit", so der Kardinal. (APA)

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