SPÖ: "Wir brauchen mehr Akademiker"

12. Juli 2005, 14:00
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Wissenschafts­sprecher Broukal fordert einen nationalen Uni-Entwicklungsplan - Justizsprecher Jarolim kritisiert "dilettantische" Beweisführung vor EuGH

Nach dem EuGH-Urteil und der Einführung von Zugangsbeschränkungen an Österreichs Unis schlägt die SPÖ einen Nationalen Universitäts-Entwicklungsplan vor.

Akademikermangel

Österreich brauche mehr und nicht weniger Akademiker, betonte Wissenschaftssprecher Josef Broukal am Montag bei einer Pressekonferenz. Dieser Plan soll etwa festlegen, wie viel mehr Akademiker die Unis auszubilden haben und die dafür nötigen Mittel ausweisen. Erstellt werden soll er nicht vom Bildungsministerium sondern von einer unabhängigen Agentur.

Nationalrat soll beschließen

Der Plan soll auch Maßnahmen enthalten, wie die Zahl der Studienabbrecher gesenkt und die Vereinbarkeit von Beruf und Studium verbessert werden kann. Zudem soll der Bedarf der Wirtschaft an Akademikern erhoben werden. Und er soll die an den Unis notwendigen Investitionen von mehr als einer halben Milliarde Euro in Jahrestranchen ausweisen und die Finanzierung sicherstellen. Beschließen soll den Uni-Plan der Nationalrat. Broukal wünscht sich dafür auch die Zustimmung aller Parteien, damit der Plan auch Regierungswechsel überstehe.

Mehr Platz

Broukal zeigte sich auch enttäuscht, dass es im Rahmen der Parteienverhandlungen nicht gelungen sei, über eine Ausweitung des Platzangebotes an den Uni zu sprechen. Und das obwohl Österreich im europäischen Vergleich eine niedrige Akademikerquote habe, so Broukal. In Österreich liege sie bei 14 Prozent eines Jahrganges, in Finnland dagegen bei 33 Prozent.

"Dilettantische Argumentation"

Justizsprecher Hannes Jarolim warf der Regierung auch vor, "dilettantisch" im Verfahren vor dem EuGH argumentiert zu haben. Es sei von Seite Österreichs nichts vorgebracht worden außer, dass in Medizin die Zahl der Studienbewerber bis zu fünf Mal so hoch sein könnte wie die Zahl der verfügbaren Studienplätze. Die Regierung, die seit Jahren den Numerus Clausus befürworte, habe zu wenig getan, kritisiert er. Man hätte etwa Studien oder Vergleiche vorlegen können, was für Auswirkungen das Ausweichen deutscher Studierender hätte. Österreich habe nun einmal den Nachteil, sich die Sprache mit einem zehn Mal so großen Land zu teilen.

Stipendien zurückzahlen

Die neue VSStÖ-Vorsitzende Sylvia Kuba wies auf die Auswirkungen auf Familien- und Studienbeihilfen durch die Zugangsbeschränkungen hin. Diese seien an einen Leistungsnachweis gekoppelt. Nicht bestandene "Knock-out"-Prüfungen nach Beginn des Studiums würden zum Verlust der Familienbeihilfe und Krankenversicherung führen, Stipendien müssten sogar zurückbezahlt werden. (APA)

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