Die mobile Spielekonsole ist immer dabei

18. Juli 2005, 10:47
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Der Online-Kultheld Yeti der österreichischen Multimedia-Schmiede Edelweiss geht in seine letzte Runde. Umsatzbringer war vor allem die Variante für mobile Endgeräte. Mobile Games haben insgesamt immer mehr Marktanteile, dank ausgereifter Technologie können sie nun mit PC- oder Konsolen-Spielen mithalten.

Der Spaß mit dem Monster, das Pinguine schleudert, um ihnen damit vermeintlich das Fliegen beizubringen, begann im Jänner 2004. Die Wiener Edelweiss Medienwerkstatt GmbH wollte mit dem Spiel eigentlich nur eine Homepage aufpeppen, doch das heitere Pinguin-Schießen war dem Auftraggeber im letzten Moment dann doch eher unheimlich.

Bevor der Yeti in der Versenkung verschwinden konnte, entwickelte sich via Internet allerdings eine unkontrollierbare Eigendynamik. Das Spiel breitete sich via E-Mail wie eine Epidemie auf den Computern rund um den Globus aus. Die Bilanz nach eineinhalb Jahren: 250 Millionen User in 137 Ländern haben den Yeti in einem seiner bislang acht Abenteuer kennen gelernt, unter anderem hat die tschechische VW-Tochter Skoda das zottelige Monster zur Galionsfigur einer Automarke gemacht, und die 15-köpfige Softwareschmiede Edelweiss bekommt mittlerweile Aufträge aus aller Welt. "Geld stand dabei eigentlich nicht im Vordergrund, unsere Strategie war es, bekannt zu werden, und das ist uns auch wirklich gut gelungen", sagt Edelweiss-Geschäftsführer Stephan Mahrhofer rückblickend.

Sein Yeti-Erfolgsrezept: zwei Charaktere, die auf der ganzen Welt uneingeschränkte Sympathieträger sind, und ein möglichst einfaches Spielkonzept, das keiner großen Erklärung bedarf. Als Casual Game zum schnellen Zwischendurchspielen bezeichnet es Mahrhofer und grenzt Yetisports damit von strategisch ausgeklügelten Hardcore-Games auf PC und auf den diversen Konsolen ab. Nach der neunten Auflage ist nun aber trotzdem Schluss. Ein letztes Mal darf der Yeti diesmal mithilfe von Lamas Pinguine vom Himmel spucken. "Es ist ausgereizt, im Herbst kommt was Neues", sagt Mahrhofer und ist stolz, dass er nicht nur die Entwicklungskosten eingespielt, sondern mit dem Yeti letztlich auch Geld verdient hat. Umsatz- bringer sind die Versionen fürs Handy, 330 internationale Mobilfunkbetreiber vertreiben den Yeti auf ihren Portalen.

"In den letzten eineinhalb Jahren verzeichnen wir bei Mobile Games Umsatzzuwächse von 300 Prozent", konstatiert Game-Manager Andreas Krenn von T-Mobile. Der Grund: Die Handytechnologie ist technisch ausgereift, Java - die Technologie für Spiele - ist nahezu Standard, und die Handy-Displays sind endlich gut genug zum Spielen. Die Vorlieben der mobilen Gamer sind: Promotion-Spiele, die im Fahrwasser von Filmen, Events und Werbung vermarktet werden, so genannte Retro-Games, die Handyadaption von Klassikern wie Pacman oder Tetris, und Spiele, die als abgespeckte Versionen großer Konsolen-Games entwickelt werden. Den Trend zu Mobile Gaming spürt übrigens auch Michael Haberl, Gründer und Geschäftsführer des Grazer Unternehmens Xendex, das sich seit 2000 mit Handy-Spielen befasst, selbst entwickelt und daneben internationale Spiele in Österreich vertreibt. Für das jüngst erschienene Rennspiel Nate Adams Freestyle Motocross rechnet sich Xendex schon heute Verkaufsvolumen im siebenstelligen Dollarbereich aus.

Simple One-Finger-Games würden zwar noch den Löwenanteil am Markt ausmachen, doch langsam würden auch die grafischen Möglichkeiten für dreidimensionale Darstellung ausgeschöpft, weiß Haberl, der schon jetzt für die vielleicht doch irgendwann kommende UMTS-Ära entwickelt. Seine Zukunftsvision? "Multiplayerspiele, an denen mehrere Handyuser in Echtzeit miteinander spielen, sind eine realistische Zukunftsvision."

Detektivjagd Mobile Gaming ist auch im Rahmen des Top Talent Award ein heißes Thema. Bis zum 15. Juli läuft die Einreichfrist, und Manager Rainer Steinler vom Top-Talent-Organisator, dem "Internationalen Centrum für Neue Medien" in Salzburg (ICNM), ist zuversichtlich, innovative Projekte unter den Bewerbern zu finden. Einer der Preisträger vom letzten Jahr ist der 23-jährige Andreas Jakl von mopius.com, der mit The Journey ein Spiel entworfen hat, das die Spieler zu einer Detektivjagd einlädt; die Anweisungen dafür kommen vom Handy.

Einstweilen wird aber auch am ICNM Simpleres gespielt. Bei einer Jurysitzung zum ebenfalls vom Zentrum organisierten Staatspreis für Multimedia und E-Business übten sich die Juroren lautstark im lustigen Pinguin-Schießen, wie berichtet wird. Der Yeti made in Austria ist eben eine Erfolgsstory, wie es sich die Branche nur wünschen kann, die Edelweiss Medienwerkstatt hat ihren globalen Rundumschlag nämlich ohne Unterstützung geschafft. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.07.2005)

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    edelweiß
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