Ausmisten nach dem Füttern

18. Juli 2005, 10:47
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Studie empfiehlt Schwerpunktbildung für Forschungsförderung

Nach dem Aufholprozess der vergangenen zehn Jahre braucht Österreichs Forschungsförderung dringend ein durchgängiges Portfolio-Monitoring. Das ist eine der Hauptaussagen der Studie "Instrumente der Technologieförderung und ihr Mix", die Joanneum Research und Technopolis im Auftrag des österreichischen Forschungsrats erarbeitet haben. Derzeit seien Portfoliobetrachtungen, also die Überprüfung von Wirksamkeit und Wirkungsweise einzelner Förderinstrumente, nicht möglich, weil eine durchgängige, darauf abgestimmte Datenbasis "derzeit nicht vorhanden" ist.

Die früher häufig monierten Förderlücken, etwa zwischen angewandter und Grundlagenforschung, konnten die Studienautoren nicht mehr entdecken. Im Gegenteil, das Förderangebot Österreichs sei im internationalen Vergleich nicht nur eines der vielfältigsten, sondern auch eines der großzügigsten, insbesondere was steuerliche Anreize und die Antragsforschung (Bottom-up) betrifft.

Wo viel Sonne, da auch Schatten: Der hohen Breitenwirkung stehen eine geringe Selektivität und hohe Mitnahmeeffekte gegenüber - weil zielgruppenspezifische Selektionsmechanismen fehlen, merken die Studienautoren Andreas Schibany und Leonhard Jörg an: "Verstärkt wird diese Einschätzung durch den weit gehenden Verzicht auf zielgruppenspezifische Selektionsmechanismen." Um die Gesamtwirkung der eingesetzten Fördermittel zu erhöhen, empfehlen sie eine Differenzierung der Antragsteller nach Unternehmensgröße, zumal sich den Großteil des Kuchens einige wenige Großunternehmen teilen.

Wie in anderen EU-Ländern auch, weisen Österreichs Betriebe bei den F-&-E-Aufwendungen nämlich eine hohe Konzentration auf: Von 640 F-&-E-betreibenden Unternehmen decken schlanke 30 etwa 60 Prozent aller unternehmensinternen F-&-E-Aufwendungen ab. Allein auf die zehn größten Konzerne entfallen 43 Prozent der unternehmensinternen F & E.

Kleiner Trost: Die F-&-E-Basis insgesamt ist gestiegen, weil immer mehr Unternehmen F & E betreiben, wenn auch teils mit eher geringen Ausgaben. Letzteres führen Schibany und Jörg auf spezifische Barrieren und "Momente des Marktversagens" zurück, mit denen die Klein- und Mittelbetriebe - im Gegensatz zu den multinationalen Unternehmen - konfrontiert sind. Dazu gehört unter anderem ein höheres Ausmaß von Fremdfinanzierung - elf Prozent der F-&-E-Aufwendungen bei KMU werden von externen Kapitalgebern aufgebracht -, was die Kapitalkosten für F & E verteuert. Zum Vergleich: Konzerne finanzieren ihre F & E nur zu vier Prozent über Kredite, der Großteil kommt aus dem Cashflow.

Im Prinzip positiv beurteilen Joanneum und Technopolis das breit gefächerte System von Kooperationsprogrammen und Plattformen für Universitäten, Fachhochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Betriebe. Da mittlerweile aber kaum mehr Defizite auszumachen seien, sollte diese Vielfalt - manche Kritiker nennen sie Wildwuchs - an Kompetenzzentren und Kooperationen überprüft und der Kooperationsfokus als durchgängiges Förderkriterium hinterfragt werden.

Vereinfachung und Programmzusammenführung seien allein deshalb dringend notwendig, weil es zu viele Programme gebe, die finanziell auch noch unterdotiert seien. Hinzu komme, dass die Kompetenzzentren nicht nur das Geld betreffend in Konkurrenz zueinander stehen, sondern auch, was die Zielgruppen betrifft. Die Studienautoren attestieren diesem Sektor explizit "Programmüberfrachtung".

Fazit: Die Vorteile der Programmvielfalt sind nicht erkennbar, die Kosten allerdings schon. Also sei Effizienzsteigerung angesagt. Denn mit der wachsenden Unübersichtlichkeit würden auch die Abwicklungskosten steigen.

Eine relative Schwächung in ihrer Kernaufgabe hinnehmen mussten die Universitäten. Sie konnten hauptsächlich dort partizipieren, wo sie mit der Wirtschaft kooperieren. Es sei nicht zu überprüfen, inwieweit hier die Balance zwischen kooperationsfähiger Anwendungsforschung und freier Grundlagenforschung noch gewährleistet ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.07.2005)

Von Luise Ungerboeck
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