"Mein Mann lässt sich keinen Maulkorb verpassen"

11. Juli 2005, 09:27
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Persönliche Einblicke in die Welt von Innenminsterin Liese Prokop: Sie mag keine Handies und würde gerne mit Pierce Brosnan essen gehen

Wien - Innenministerin Liese Prokop (V) hat sich in der Ö3-Interviewsendung "Frühstück bei mir" als Technologiemuffel offenbart. Sie habe erst nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Dezember ihr erstes Handy bekommen, sagte Prokop in dem am heutigen Sonntag ausgestrahlten Interview. "Ich habe mich lange gewehrt, aber es geht nicht anders."

Während ihrer Zeit als niederösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreterin (1992-2004) habe sie mit einem Autotelefon das Auslangen gefunden. "Jeder, der mich erreichen wollte, hat mich erreicht", sagte sie. Prokop bekannte ein, dass sie sich bei SMS (Handy-Kurzmitteilungen) schwer tue. "Ich kann sie lesen, aber nicht schreiben."

MitarbeiterInnen schreiben E-Mails

Anders als ihr Vorgänger Ernst Strasser (V) kann Prokop auch nicht besonders viel mit Laptops (tragbaren Computern) anfangen. "Ein Laptop ist etwas Schönes, aber ich schau lieber jemanden anderen an und red mit ihm." Auch E-Mails würden ihre MitarbeiterInnen für sie schreiben. "Die machen das perfekt." Sie halte das persönliche Gespräch mit Menschen für das "allerwichtigste": "Das Face-to-Face ist etwas ganz Anderes, man sieht die Reaktion, und kann es dann ausreden."

Sprache im Sport "etwas anders"

Nachsichtig zeigte sich die Ministerin mit den verbalen "Macho"-Ausritten ihres Ehemannes, des Handballtrainers Gunnar Prokop, der in verschiedenen Zeitungsinterviews Frauen "in die Kuchl" geschickt und auch private Details seiner Ehe ausgeplaudert hatte. "Ich kenn meinen Mann und weiß, was er für Sprüche drischt, obwohl er das gar nicht meint. Es ist im Sport schon eine bisschen andere Sprache da". Sie habe ihrem Mann schon öfter gesagt, er solle sich zurücknehmen, "aber einen Maulkorb verpassen lässt er sich nicht". Sie stritten sehr viel, aber die Versöhnung sei dann "etwas Wunderschönes".

"Halbe/Halbe"

"Halbe/Halbe" sei im Haushalt Prokop "nicht angesagt", doch sein Mann mache sich das Frühstück schon selbst. Dieser bevorzuge übrigens einen ganz anderen Frauentyp, "sehr sportlich, schlank, eher brünett". Als er einmal "für blond geschwärmt" habe, habe sie sich die "Haare heller machen lassen", bekannte Prokop ein, die selbst gerne einmal mit James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan essen gehen würde. Sie wäre aber ohne ihren Mann als Trainer "nicht so weit gekommen", sagte Prokop mit Blick auf ihre Karriere als Leichtathletin.

Geringe Terrorgefahr in Österreich

Zur Sicherheitslage nach den Terroranschlägen von London sagte Prokop, es gebe "keine zusätzlichen Gefährdungspotenziale für Österreich". Man habe aber alle Maßnahmen gesetzt und halte die "Augen offen". Sie selbst fahre genauso ruhig U-Bahn wie vor den Anschlägen. "Wir haben das Glück, dass wir in einem land Leben, das tatsächlich noch von hoher Sicherheit geprägt ist." Es sei aber "niemand gefeit davor, dass etwas passieren kann".

Die Welt sei sicher "härter, brutaler geworden", sagte die 64-Jährige. Man könne aber auch in Europa viel zu einer besseren Welt beitragen, "wenn wir die EU als Friedensprojekt sehen. Unsere Welt hat so viel in sich, es zahlt sich aus dafür zu kämpfen." Sie selbst will dies als Ministerin offenbar noch nach der Nationalratswahl 2006 tun. Die politische Tätigkeit "macht mir noch immer Spaß", sagte Prokop. (APA)

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    Liese Prokop
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