Ausstellung zu "umstrittenen Ausdruck weiblicher Kultur"

11. Juli 2005, 09:07
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Sommerausstellung des Frauenmuseums in Hittisau beleuchtet das Kopftuch in Tradition, Mode, Religion und Kultur

Bregenz - Das Kopftuch in Geschichte und Gegenwart, als Bestandteil von Trachten, Arbeitskleidung, modisches Accessoire, aber eben auch als kultureller, politischer und religiöser Ausdruck ist das Thema der Sommerausstellung des Frauenmuseums Hittisau im Bregenzerwald. Die von der interkulturellen Forscherinnengruppe Akkent-Bala-Franger-Lorbeer entwickelte Schau wurde durch regionale Aspekte ergänzt.

Reduktion des Kopftuches

"Das Kopftuch ist ein umstrittenes Stück weiblicher Kultur geworden", stellte die Leiterin des Frauenmuseums Hittisau Elisabeth Stöckler bei der Ausstellungseröffnung am Samstag fest. In der öffentlichen Diskussion werde das Kopftuch zunehmend auf ein Symbol der Gefährdung westlicher Gesellschaften durch islamischen Fundamentalismus also auf ein Symbol der Unterdrückung von Frauen reduziert. "Das entspricht dem kulturellen Zeichen, das dieses Stück Stoff wie jedes andere Kleidungsstück zweifellos ist, nur zu einem geringen Teil", betonte Stöckler.

Symbol für Widerstand

Im Kontext von Ideologien, Religionen, patriarchalischen Ge- und Verboten kann das Tragen eines Kopftuchs Symbol für Unterdrückung, aber auch für Widerstand werden. Die historischen Entwicklungen des Kopftuches in Mitteleuropa und in der Türkei werden in der Ausstellung vergleichend dargestellt. Dabei offenbaren sich viele Vorstellungen in unseren Köpfen als wenig realitätsbezogene Vorurteile: Modejournale und Fotos von Filmstars der sechziger Jahre sind zu sehen, als das Kopftuch ein unverzichtbares Accessoire war.

Kopftuchträgerinnen aus dem Bregenzerwald, Oberösterreich, Deutschland, der Türkei oder Ukraine, aus Rumänien, Israel, Palästina, Südamerika und Westafrika kommen in Fotografien und Texttafeln zu Wort. "Das Kopftuch ist ein Stück Alltagskultur, ein Gegenstand der Volkskunst und ein Kleidungsstück, das sozialhistorischen Wandlungen unterliegt", so die Ausstellungsmacherinnen Elisabeth Bala und Meral Akkent. Die Ausstellung war bereits in zahlreichen Städten in Deutschland zu sehen. (APA)

Frauenmuseum Hittisau,
Platz 501,
10. Juli bis 31. Oktober 2005,
Öffnungszeiten: Do 19 - 21 Uhr; Fr, Sa 16 - 18 Uhr, So 15 - 18 Uhr

Link

Frauenmuseum

  • Coco Chanel mit ihren Schwestern, 1818
    foto: frauenmuseum
    Coco Chanel mit ihren Schwestern, 1818
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