Niederlande: Mutmaßlicher Van-Gogh-Mörder will Todesstrafe

11. Juli 2005, 16:41
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Angeklagter schwieg zu Prozessbeginn - Über 800 Anschläge und Straftaten seit Mord an islam-kritischem Filmregisseur

Amsterdam - In den Niederlanden hat am Montag der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des Islam-kritischen Filmregisseurs Theo van Gogh begonnen. Der Angeklagte schwieg zu Prozessbeginn und ließ seinen Rechtsanwalt mitteilen, dass er sich nicht verteidigen wolle, aber die Verantwortung für den Mord auf sich nehme.

Angeklagter wollte mit dem Tod bestraft werden

Wie der Richter mitteilte, hatte der 27-jährige Angeklagte nach seiner Verhaftung erklärt, er wolle mit dem Tod bestraft werden. Eine entsprechende Bemerkung habe der radikale Moslem in einem Telefongespräch mit seinem Bruder gemacht. Der Rechtsanwalt des Angeklagten teilte zu Beginn der Sitzung mit, sein Mandant wolle sich nicht verteidigen, übernehme aber die Verantwortung für die Aufsehen erregende Bluttat. Eine Begründung dafür gab er nicht. Der 27-jährige Niederländer marokkanischer Herkunft hatte schon bei den Ermittlungen und während einer mehrwöchigen psychiatrischen Untersuchung geschwiegen.

Familie will lange Haftstrafe

Van Goghs Familie hat eine lange Haftstrafe für den mutmaßlichen Täter Mohammed B. gefordert. Der geständige Angeklagte, ein radikaler Moslem, habe sein Opfer im Namen Gottes getötet, beklagte die Mutter von van Gogh am Montag vor dem Gericht in Amsterdam. Auf islamische Verheißungen für das Jenseits anspielend fügte sie hinzu, auf den Täter warteten aber nicht Jungfrauen, sondern das Gefängnis.

Eine Schwester des ermordeten Filmemachers verlangte die Höchststrafe für den Angeklagten. Lebenslang gestraft sei aber in Wirklichkeit die Familie des Ermordeten, betonte sie. Nach niederländischem Recht können sich in Strafprozessen auch die Opfer äußern.

Auf offener Straße ermordet

Der wegen seiner scharfen Kritik am Islam umstrittene Regisseur war am 2. November 2004 in Amsterdam auf offener Straße erschossen worden. Der mutmaßliche Täter, der jetzt vor Gericht steht, wurde nach einem Feuergefecht unmittelbar nach dem Verbrechen festgenommen. Die Anklage geht davon aus, dass seine radikal-islamistische Einstellung ihn zu der Tat gebracht hat. Er hat außerdem andere prominente Kritiker des Islam mit dem Tode bedroht. Die Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali wurde deshalb Wochen lang an einem geheimen Ort versteckt.

Fast 800 Vorfälle seit Van-Gogh-Mord

Im Zusammenhang mit dem Mord ist es nach Regierungsangaben zu über 800 Zwischenfällen und Straftaten gekommen. In den schlimmsten Fällen seien Schulen, Moscheen und christliche Kulturstätten in Brand gesetzt worden, teilten der niederländische Innenminister Johan Remkes und Justizminister Piet Hein Donner am Montag mit. Ein Sechstel der Anschläge habe moslemische Einrichtungen zum Ziel gehabt. Bei den Vorfällen gab es den Angaben zufolge keine Opfer. (APA/red)

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    Am Montag startete die Verhandlung gegen den mutmaßlichen Mörder des islamkritischen Regisseurs Theo van Gogh, Mohammed Bouyeri, unter dem Vorsitz von Richter U.W. Baron Bentinck.

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    Der mutmaßliche Mörder von Theo van Gogh will mit dem Tod bestraft werden.

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