Kopf des Tages: Barry Dickson

18. Juli 2005, 13:11
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Hohe Ehre für den Herrn der Fliegen: Der australische Biologe in Wien ist Wittgenstein-Preisträger

Der Australier Barry J. Dickson kam nach Europa und erlebte, was üblicherweise eher Europäern in Australien passiert: Er wurde formlos in kurzen Hosen und ohne Krawatte empfangen. Noch dazu von einem Schweizer Professor. Das gefiel ihm so gut, dass er blieb.

Es gab noch einen anderen, wissenschaftlicheren Grund: Der gerade 27-jährige Dickson hatte in Melbourne Biologie studiert, am bekannten Salk Institute im kalifornischen San Diego gearbeitet und wollte bei einer Kapazität dissertieren, bei Ernst Hafen, ebenjenem Schweizer, mit dem er bald in den wichtigsten einschlägigen Publikationen von Cell bis Nature publizierte.

Nun, 16 Jahre später, kann sich der Molekularbiologe nach renommierten Preisen und Fellowships eine weitere Auszeichnung auf den virtuellen Kaminsims stellen: Am Freitag bekam er - wie berichtet - einen der beiden Wittgenstein-Preise des Wissenschaftsfonds FWF, die höchste Anerkennung für Forschung in Österreich, verliehen.

Dickson sei, wie FWF-Chef Georg Wick in seiner Laudatio sagte, "the Lord of the flies", nämlich der Fruchtfliegen. An ihnen hat er konsequent die Mechanismen der genetischen Steuerung von Verhalten untersucht und ihre Übertragung auf neuronale Netzwerke - nach Zürich zunächst als Postdoc in Berkeley, wo er seine spätere Frau Christine kennen lernte, dann nochmals an der Uni Zürich und seit 1998 in Wien, am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) und zurzeit als Senior Scientist am Institut für Molekulare Biotechnologie der Akademie der Wissenschaften (IMBA).

Dickson und sein Team konnten das Gen und die Neuronennetze identifizieren, die das Balzverhalten der männlichen Fliegen steuern. Nun sind sie dabei herauszufinden, wie es zur "Verdrahtung" des Nervensystems allgemein kommt, wie also das Wachstum der Nervenenden gesteuert wird - eine der zentralen Fragestellungen auch, was die Verbindung von rechter und linker Hirnhälfte anbelangt.

Dafür wird Dickson die mit dem Preis verbundenen 1,5 Millionen Euro gut brauchen können. Er wird sie auf das IMP mitnehmen, das er ab nächstem Jahr wissenschaftlich leiten wird. Dem IMBA, wo seine Frau als Postdoc arbeitet, bleibt er dank dem neu konstruierten gemeinsamen "Research Center" weiterhin verbunden.

An Wien schätzt er die Freundlichkeit und die internationale Atmosphäre vor allem in der Gemeinschaft der Wissenschafter. Die Berge in der Nähe sind ihm gerade recht für seine Wanderambitionen. Ihm fehlen - kaum überraschend - Strand und Cricket. Und Tennis. Denn die Dickson haben doppelte Arbeit, zwar auch doppeltes Einkommen, aber wenig Zeit. Gerade für gutes Essen und ein wenig Reisen geht es sich aus. So genannte Hobbys? "Keine." (Michael Freund/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 7. 2005)

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