Identifizierung der Opfer langwieriger Prozess

18. Juli 2005, 16:16
posten

610 Tote werden am Montag begraben - Bisher knapp 2100 Leichen identifiziert

Sarajevo - Am Samstagnachmittag traf die am Morgen in Visoko nahe der bosnischen Hauptstadt Sarajevo gestartete Lkw-Kolonne auf dem Gelände der still gelegten Akkumulatorenfabrik in Potocari ein. Hier, wo einst die niederländischen UNPROFOR-Soldaten ihr Basislager hatten, ehe sie die UNO-Enklave Srebrenica am 11. Juli 1995 kampflos den Truppen des bosnisch-serbischen Militärchefs Ratko Mladic überließen, lagern nun die sterblichen Überreste von 610 Opfern des Massakers, ehe sie am Montag begraben werden sollen - direkt gegenüber der Fabrik, auf dem 2003 eröffneten Friedhof, wo seitdem bereits 1.308 tote muslimische Männer und Jugendliche unter schlichten grünen Holzstelen ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Aus rund 60 Massengräbern stammen die 610 Leichen, die seit dem 9. Jahrestag des Massakers 2004 identifiziert werden konnten. Sie waren zur Zeit ihrer Ermordung zwischen 14 und 75 Jahren alt. Bisher gelang es den unter Federführung der in Sarajevo ansässigen Internationalen Kommission für vermisste Personen (ICMP) zusammen arbeitenden Experten, 2.079 Opfer zu identifizieren. Anhand der Vermisstenmeldungen schätzen die Behörden, dass insgesamt 7.800 Menschen in Srebrenica getötet wurden.

Vor allem die Tatsache, dass viele Leichen in unterschiedlichen Gräbern verscharrt wurden, erschwert die Suche. Denn nach der Veröffentlichung von Satellitenbildern durch die US-Regierung im Herbst 1995, die die Standorte von Massengräbern zeigten, ließen die bosnisch-serbischen Behörden Großgerät wie Planierraupen einsetzten, um die Opfer erneut in so genannten Sekundärgräbern zu begraben. So können sich Knochenreste eines einzigen Toten in bis zu drei Massengräbern befinden. Auf Grund des Zustands der Leichen sind die Erfolge in den vergangenen drei Jahren ohnehin nur durch die Arbeit der mit moderner DNA-Analysetechnik ausgestatteten ICMP-Labors erklärbar. Doch noch immer lagern in speziellen Hallen mehr als 4.500 Plastiktaschen mit unidentifizierten menschlichen Knochen. (APA)

Share if you care.