Das Birdland schlittert in eine Finanzkrise

11. Juli 2005, 20:06
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Der Jazzvogel, hart gelandet - Sanierungskonzept samt Umbauplänen in Arbeit

Wien - Vor eineinhalb Jahren, zur Cluberöffnung, gab es noch Euphorie (Joe Zawinul: "Ich bin ein glücklicher Mensch!") und Schlangen vor dem Lokal. Nun ist der Birdland-Club, dessen Geburt durch eine Bauförderung seitens der Stadt Wien (726.000 Euro) im Keller des Hotels Hilton ermöglicht wurde, um Keyboarder Joe Zawinul näher an Wien zu binden, in eine schwere Krise geschlittert.

Bis Ende 2004 haben sich Schulden in der Höhe von 600.000 Euro angehäuft, die Gründe sind vielfältig: Der Umbau war teurer als geplant; Sponsoren sind ausgeblieben, und die Auslastung des (200 Personen fassenden) Clubs bewegte sich mit 65 Prozent unter den erforderlichen 80. Auch die Geschäftsführung wird als nicht optimal beschrieben (Geschäftsführer Wolfgang Rauscher wurde nun abgelöst): Zu viel Geld sei, so Insider, ins Marketing geflossen, und auch manche Künstlergage habe für gehörige Belastungen gesorgt.

Nun wird ein erster und wohl letzter Sanierungsversuch gestartet, ein Konkurs konnte vorerst abgewendet werden: Eine Finanzierungsgruppe rund um Interieur-Design-Management-Geschäftsführer Karl Resch erarbeitet gerade ein Konzept, das ab Herbst auch die mehrheitliche Übernahme der Gesellschaftsanteile vorsieht. Der Club, der seit wenigen Monaten keine Schulden mehr macht, aber ohne Subventionen auskommen muss, soll im Sommer - samt Umbau - umgekrempelt werden und im Herbst neu starten. Mit einem kaufmännischen Geschäftsführer.

Zum Künstlerischen: Monkey-music-Chef Walter Gröbchen, Kunsthallen-Kurator Thomas Mießgang und Andreas Rathammer (Label-Boss von Quinton) arbeiten an neuen inhaltlichen Konzepten. Es soll in Hinkunft noch mehr stilistische Offenheit geboten werden, von Santana bis Eric Clapton, von Klassik bis Clubbing. Joe Zawinul, der mit seinem Namen mitgeholfen haben soll, zumindest den Konkurs abzuwenden, wird sich aus dem Projekt nicht zurückziehen. (tos/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 7. 2005)

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