Kommentar: Zurück zu Galilei

10. Juli 2005, 20:45
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"Intelligentes Design" ist wissenschaftlich nicht haltbar - von Eric Frey

Charles Darwins Evolutionstheorie ist auch nach 150 Jahren eine schwere Kost geblieben. Nicht nur Religionen tun sich mit der Vorstellung schwer, dass alle Wunder des Lebens - vom Rosenduft bis zum menschlichen Hirn - nur durch zufällige Mutationen und natürliche Auslese entstanden sind. Obwohl heute nur noch Fanatiker die Schöpfungsgeschichte der Bibel wörtlich nehmen, stößt die Idee des "intelligenten Designs" - dass hinter der Komplexität des Lebens ein göttlicher Plan steckt - auch unter aufgeklärten Menschen auf Sympathie.

Doch "intelligentes Design" ist wissenschaftlich nicht haltbar. Auch wenn nicht jedes Detail der Evolutionsgeschichte bisher erklärt werden konnte, gibt es zu Darwins Grundthesen außerhalb des Obskurantismus keine Alternative.

Deshalb war es ein ebenso überfälliger wie mutiger Schritt, dass Johannes Paul II. 1996 die Evolutionstheorie als "mehr als nur eine Hypothese" anerkannte. Und deshalb ist der New York Times-Beitrag von Kardinal Schönborn, in dem er deren Hauptaussage als "unwahr" bezeichnet, ein Schritt zurück in jene Zeit, als Galileo Galilei von der Inquisition verurteilt wurde.

Die Frage ist, für wen Schönborn hier spricht. Hat er sich bloß von amerikanischen Fundis dazu hinreißen lassen, dann wäre es ein persönliches Armutszeugnis. Handelte er aber im Auftrag von Benedikt XIV., dann droht der wahnsinnige Kulturkampf aus den USA nach Europa überzuschwappen. Die ersten Anzeichen dafür gab es bereits in Italien und Serbien.

Doch anders als in weiten Teilen der USA kann die Kirche in Europas Gesellschaft den Krieg gegen Darwin nicht gewinnen. Will sie ernst genommen werden, muss sie weiterhin Wege suchen, um Evolution und Glauben zu vereinbaren. Dass dies möglich ist, haben auch katholische Theologen bewiesen. (Eric Frey/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 7. 2005)

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