Les Reines Prochaines: Starke Kränze

    4. Oktober 2005, 12:15
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    Die Schweizer Königinnen rufen den neuen Geschlechterkampf aus

    Vorausgeschickt: Les Reines Prochaines sind Performance und als solche zu genießen. Wenn sie hier unter dem Prädikat "Lieblingsplatte" firmieren, dann primär deshalb, weil ihre aktuelle Maxi-Single „Starke Kränze“ vier Videoclips der "Königinnen" am Bodensee enthält – diese sind der persönlichen Beurteilung vorbehalten, rezensierendes Wortklauben würde ihnen beim besten Willen nicht gerecht. Darum die Empfehlung auch an die puristischen Vinyl-Fundis: CD kaufen, Videos anschauen, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

    Sprung in der gläsernen Decke

    Einiges zu erzählen gibt es hingegen über die fünf Baslerinnen an sich und ihre aktuellen musikalischen Erquickungen. Gegründet im Jahr 1987 von Theresa Alonso, wechselten sie kontinuierlich die Besetzung, arbeiteten für einige Zeit mit Pipilotii Rist zusammen und blieben dem Grundsatz treu, alles in Gemeinschaftsarbeit entstehen zu lassen - auch auf der Bühne wechseln sie die Besetzungen der Instrumente ständig.

    Auf "Starke Kränze" revidieren sich die nächsten Königinnen zu heutigen Herrscherinnen: „Wir scheuen keinen Schmutz an Händen/ Auf den Blusen keinen Fleck / wir wollen regieren und jetzt vom Speck“, heißt die Formel der ersten Nummer, „Kampflied“. Es ist, was es ist: Zackiges Humptahumpta und Blasmusik sollen die gläserne Decke zerspringen lassen.

    Sie klagen nicht über Diskriminierungstendenzen sondern warnen: Achtung Männer, „passt nur auf, auf eure kleinen Herzen, euch blüht der Infarkt.“

    Subversiv im Keller

    Wie schon zuvor singen sie mehrsprachig, auf zwei deutsche Songs folgen ein rätoromanischer und ein französischer. Das „Preisausschreiben“, Track zwei der CD, widmet sich den möglichen politischen Konsequenzen eines Gewinnspiels. Wunderbar aufgebaut, mit locker-fröhlichem Rhythmus und vorerst scheinbar belanglosen Tagträumereien, werden Konzertpublikum respektive CD-KonsumentInnen aufgefordert, sich mit den Königinnen in einen Keller zu begeben, der dank neu installierter Zu- und Abluft unbegrenzt beraucht werden darf und so zu allerlei subversiven Aktivitäten einlädt.

    Minimalistisch-feministisch

    Les Reines Prochaines sind nichts für FreundInnen präzise ausgefeilter Arrangements. Sie sind Konzeptkünstlerinnen mit Liebe zu prozesshaft zusammen gewürfelten musikalischen Haudegen, die sich auf eine Botschaft reduzieren lassen: Wir vermitteln feministische Gesellschaftskritik mit minimalistischen Posen. „Das Alltägliche, das Mythologische und das Physikalische, Pop und Volkstum und die Kindheit“ dienten ihnen, so sagen sie selbst, als Inspirationsquellen, die Bezüge sind meistens politischer Art.

    Anders als auf ihrem letzten Album "Protest und Vasen" (2003) sind die Texte jedoch weniger an konkreten Anlässen lokalisiert (dem Aufstieg des Rechtspopulisten Christoph Blocher oder der relativ späten Entwicklung politischer Gleichberechtigung der Frauen in der Schweiz), sondern absolut grundsätzlicher Art: „Der Geschlechter-, der Geschlechterkampf tobt!“ (mas)

    • Artikelbild
      foto: les reines prochaines
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