Ein Dämpfer für die Tiwag in Tirol

31. Juli 2005, 18:13
2 Postings

Großkraftwerk im Ötztal politisch tot

Innsbruck - "Abweichungen seitens der Politik von unseren Prüfergebnissen werden aus freier Luft heraus nicht möglich sein", betont Franz Rauter, Leiter der Abteilung Raumordnung in Tirol.

Fast ein halbes Jahr hat Rauter mit 17 Experten des Landes und unter Mitarbeit des Joanneum Research Graz sowie des Wiener Uni-Instituts IFF - Soziale Ökologie die 16 Kraftwerkswünsche der landeseigenen Tiwag einer "Vorprüfung" unterzogen. Wichtigstes Ergebnis: Das Megaprojekt im Ötztal mit einem 120 Mio. m3 fassenden Stausee im Sulztal oberhalb von Längenfeld ist politisch tot.

Das Projekt erhielt zwar bei der technischen Machbarkeit und Effizienz Bestnoten, schnitt aber in den drei anderen Prüffeldern Wirtschaftlichkeit, soziale Auswirkungen und Akzeptanz sowie Ökologie extrem schlecht ab.

Zwei weitere Projekte

Nicht ganz so negativ ist die Beurteilung von zwei Projekten, die einen Ausbau des bestehenden Kraftwerks im Kaunertal vorsehen, entweder mit einem Speicher Rifflsee (im Pitztal) oder einem Speicher Rofental (bei Vent im hintersten Ötztal).

Die besten Bewertungen erhielten drei Varianten, mit denen das bestehende Kraftwerk Sellrain/Silz unter Nutzung von Bächen des Ötz-und Stubaitals erweitert bzw. ausgebaut werden soll, ein Ausbau des Achenseekraftwerks und der Neubau eines Pumpspeicherkraftwerks bei Matrei in Osttirol durch eine Aufstauung des Tauernbachs.

Gegen letzteres Projekt hat sich Wolfgang Retter vom Netzwerk Wasser Tirol u.a. mit dem Argument zu Wort gemeldet, dass der Stausee für die Isel, "den letzten funktionsfähigen Gletscherfluss der Alpen", gravierende Dauerfolgen hätte.

Vieles bleibt offen

Am Kern der politischen Auseinandersetzung der letzten Monate ändert der Bericht wenig. Die entscheidende Frage bleibt, ob und in welchem Umfang die Flüsse und Bäche des Ötztals energiewirtschaftlich genutzt werden oder nicht.

Ob sich die Politik an diese Prämisse halten wird, ließ Landeshauptmann Herwig van Staa bei der Berichtspräsentation offen. Er bekannte sich zum Ausbau der Wasserkraft mit der Begründung einer Standortsicherung und einer Sicherung der Eigenständigkeit der Tiwag. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.07.2005)

Link

Tiwag
Share if you care.