Bundesliga: Der Domino-Effekt

15. Juli 2005, 17:44
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Liga-Vorstand Georg Pangl zeigt sich über die jüngsten Entwicklungen hocherfreut. Zusätzliche Millionen wurden investiert

Wien - Da gerät der Burgenländer Georg Pangl doch glatt ins Schwärmen. Für einen Vorstand der österreichischen Fußball-Bundesliga ist das eine relativ neuer Gemütszustand, ihm taugt er natürlich. "Ich erwarte ein echten Boom", sagt Pangl und spricht "von einer Lawine, die losgetreten wurde. Eine Mördersaison steht bevor, es bleibt kein Stein auf dem anderen." Wobei ihm schon bewusst ist, "dass die Begriffe Lawine und Mord normalerweise negativ behaftet sind". Stein ist da schon weit neutraler.

Der heimische Kick hat sich vom Siechtum verabschiedet. Das habe nicht nur, aber schon sehr mit dem Engagement von Dietrich Mateschitz und Red Bull bei Salzburg zu tun, so Pangl: "Er gehört sicher nicht zu den Menschen, die sinnlos ihr Geld aus dem Fenster werfen, er ist ja kein Depp. Mateschitz hat eine Lawine losgetreten und sorgte für einen Domino-Effekt."

Höhere Budgets

Fakt ist: Die Klubs haben die Budgets erhöht, sogar Meister Rapid konnte knapp zwei Millionen Euro zusätzlich aufstellen. Der Liga-Vorstand glaubt, "dass Geld und Vernunft eingekehrt sind". Das gewachsene Interesse der Wirtschaft ("es gibt auch in mageren Zeiten reiche Leute") sei zudem auf die EURO 2008 in Österreich zurückzuführen. "Ein Megaereignis. Wir dürfen nicht alles hinterfragen und zerreden. Strecken wir lieber stolz die Brust raus."

Natürlich dürfe man sich nicht blenden lassen. "Die Liga muss wachsam bleiben und sich besser vermarkten." Laut Pangl ist das strenge Lizenzierungsverfahren Garant für Seriosität, die Verweigerung der Berechtigungen für Bregenz, Untersiebenbrunn und Wörgl "waren der jüngste Beleg. Unsere Kontrollmechanismen funktionieren, da gibt's kein Wenn und Aber." Salzburg bleibe trotzdem, ähnlich wie die Austria, ein Sonderfall. "Ein Mateschitz entzieht sich in gewissem Sinne einer Kontrolle."

Die TV-Situation ist für Pangl klar geregelt, Premiere hat sich für drei Jahre (bis 2007) die Rechte gesichert, zahlte dafür 42 Millionen Euro. "Natürlich sind wir an einer Breite interessiert. Aber das liegt am ORF, ob er sich mit Premiere auf irgendetwas einigt. Jedenfalls hat sich die These, dass der Fußball ausblutet, wenn er nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird, überhaupt nicht bewahrheitet."

Nicht originell, aber neutral

Pangl muss es in seiner Funktion logischerweise völlig wurscht sein, wer den Titel holt. "Es sollte ein Vierkampf zwischen Salzburg, Austria, Rapid und GAK werden. Das ist nicht originell, das behaupten alle Fachleute."

Die Liga könne an die Vereine nur appellieren, "dass sie nicht auf die jungen heimischen Fußballer vergessen. Wobei mir schon klar ist, dass ein Mateschitz auf das Geld aus dem Österreicher-Topf nicht angewiesen ist." Laut Pangl habe sich trotz der Lawinenabgänge eins nicht geändert: "Erfolg lässt sich nicht kaufen. Im Fußball entscheidet auch Mannschaftsgeist. Das ist das Tolle dran." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 11.7. 2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Pangls Brust ist geschwellt, hier aber nicht im Bild.

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