"Wir fühlen uns hier nicht unsicher"

11. Juli 2005, 13:11
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Auslandsösterreicher betroffen, aber: "London wird sich nicht unterkriegen lassen"

"Es ist ein Unterschied, ob man Anschläge wie in New York, Bali und Madrid im TV erlebt oder vor der eigenen Nase." Anna-Maria Gudenus aus Waidhofen a.d. Thaya, seit zweieinhalb Monaten in London berufstätig, will sich aber trotz des Terrors das Leben an der Themse "nicht vermiesen lassen". Die 26-jährige Niederösterreicherin war am Wochenende im "Kipferl" in der Long Lane mit ihrer gleichaltrigen Freundin Johanna G. aus Salzburg erstmals zu Gast. Chef dieses seit knapp zwei Jahren bestehenden "Austrian Delicatessen"-Lokals ist Christian Malnig (35) aus Gumpoldskirchen.

Er sei "betroffen", sagt Malnig. Als sich am Donnerstag die Anschläge ereigneten, war er zu Hause. Terror sei "zu erwarten" gewesen, "wann, wie, wo und wie schlimm" sei offen gewesen. Aber London "wird sich nicht unterkriegen lassen", meint der 35-Jährige.

Unmittelbar nach den Anschlägen habe eine "gespenstische Stimmung in der Stadt" geherrscht, erklärt Malnig. Am Nachmittag habe er dann einen "endlosen Strom von Menschen zu Fuß in Richtung Norden" beobachtet. Malnig: "Millionen Menschen werden dennoch nicht aufhören können, mit Bus und U-Bahn zu fahren. Ich fühle mich nicht unsicher."

Auch Anna-Maria und die seit zehn Monaten in London lebende Johanna sind derselben Ansicht. Der öffentliche Verkehr werde für sie in Zukunft trotz der Anschläge "kein Problem" sein. Beide bevorzugen allerdings den Bus, zumal die Untergrundbahn vor allem in der Stoßzeit übermäßig belegt sei.

Am Donnerstag hatten die beiden Österreicherinnen zu den Tausenden gezählt, die sich zu Fuß auf den Heimweg machen mussten. Das dauerte jeweils etwa zweieinhalb Stunden. Für Johanna stand am "day after" die Graduation an der Universität auf dem Programm. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 11.7.2005)

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