Gesucht werden: Zwei alte Bekannte

10. Juli 2005, 19:45
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Spanische Ermittler weisen Briten auf Al-Kaida-Männer aus Syrien und Marokko hin

Die Entsendung spanischer Sonderermittler nach London scheint erste Erfolge zu bringen. Die britische Presse berichtet unter Berufung auf spanische Quellen von der Fahndung nach zwei mutmaßlichen Hintermännern der Londoner Anschläge vom Donnerstag. Es handelt sich um den Syrer Mustafa Setmariam Nasar (47) und um den Marokkaner Mohamed al-Guerbouzi (44). Beide sollen auch mit den Anschlägen vom 11. März 2004 auf die Pendlerzüge in Madrid in Verbindung stehen.

Mustafa Setmariam Nasar, der seit Ende der 80er-Jahre die spanische Staatsangehörigkeit besitzt, gilt als einer der wichtigsten Männer Osama Bin Ladens in Europa. Er wird verdächtigt, der eigentliche Planer der Bombenanschläge von Madrid zu sein. Der ehemalige Arabischlehrer an der offiziellen Sprachschule in Madrid kannte sich gut genug in seiner Wahlheimat aus, um die Attentate vorzubereiten, die ihr Ziel erreichten - den Sturz der konservativen Regierung, die gegen die Mehrheit der Bevölkerung Truppen in den Irak entsandt hatte.

Die spanischen Ermittlungsbehörden sollen Großbritannien bereits vor vier Monaten vor Setmariam gewarnt haben. Bei den Ermittlungen im Rahmen der Anschläge von Madrid waren angeblich Papiere gefunden worden, aus denen eine unmittelbare Bedrohung für Großbritannien hervorging. Setmariam, der nach 1995 mehrere Jahre in London lebte, soll dort eine Schläferzelle eingerichtet haben. Setmariam wird mittlerweile im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan vermutet.

Überall Haftbefehle

Der andere Verdächtige, Mohamed al-Guerbouzi, gilt als der Führer der Islamischen Marokkanischen Kampfgruppe (GICM). Der Nordmarokkaner lebt seit 1986 in London. Seit 1994 hat er die britische Staatsangehörigkeit. Der radikale Korangelehrte, gegen den in Marokko, Frankreich und Spanien Haftbefehle vorliegen, tauchte kurz nach den Anschlägen in Madrid unter.

Guerbouzi soll persönliche Kontakte zum irakischen Al-Kaida-Führer Abu Mussad al-Zarkawi unterhalten. Außerdem gehört er zum engen Umfeld des radikalen Imams der Moschee in der Londoner Baker Street, Abu Qatadah.

Die GICM, als deren Kopf Guerbouzi gilt, entstand 1993 im pakistanischen Peschawar. Die Gründer waren marokkanische Afghanistan-Freiwillige. Sie schworen, den "Heiligen Krieg" in die Heimat und gegen das westlich orientierte Königshaus zu tragen. Lange leistete die Gruppe, die in die meisten europäischen Ländern Stützpunkte unterhält, nur logistische Dienste, bis sie am 16. Mai 2003 in Casablanca zur Tat schritt. Guerbouzi soll die Anschläge im Auftrag Osama Bin Ladens koordiniert haben. Ein marokkanisches Gericht verurteilte ihn dafür in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft. Großbritannien lehnte seine Auslieferung mangels eines entsprechenden Abkommens mit Marokko ab.

Auch in Madrid stießen die Ermittler nach dem 11. März 2004 auf Guerbouzi. Djamal Zougam, einer der Bombenleger von Madrid, soll vor seiner Verhaftung mehrmals bei Guerbouzi in London angerufen haben. Scotland Yard wollte am Sonntag die Fahndung nach Guerbouzi und Setmariam weder bestätigen noch dementieren.

TV-Auftritt

Guerbouzi trat dafür am Samstag mit unkenntlich gemachtem Bild bei Al-Jazeera auf: "Ich betone, dass ich mich nicht verstecke und nicht auf der Flucht bin und dass die britische Polizei mich nicht sucht, weil sie meine Adresse kennt und weiß, wo ich wohne." In seiner Wohnung in Kilburn im Londoner Nordwesten, traf die Polizei jedenfalls nur Frau und Kinder an. Die letzte Aussage führte aber auch zu Spekulationen über eine mögliche Zusammenarbeit Guerbouzis mit den Geheimdiensten. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.7.2005)

Von Reiner Wandler aus Madrid
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    Nicht nur die spanischen und britischen Behörden arbeiten zusammen, Bürger von Madrid ließen den Londonern auch ihre Solidarität zukommen.

  • Der Syrer Mustafa Setmariam Nasa wird verdächtigt, auch mit den Anschlägen von Madrid in Zusammenhang zu stehen.
    foto: epa/stf

    Der Syrer Mustafa Setmariam Nasa wird verdächtigt, auch mit den Anschlägen von Madrid in Zusammenhang zu stehen.

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