Avignon mit Eklat eröffnet

11. Juli 2005, 21:34
posten

Buhs für Kulturminister und Premiere - Festivalmitarbeiter mit Zeitverträgen protestierten gegen Reform der Arbeitslosenversicherung

Avignon - Mit einem Eklat begann am Freitagabend die offizielle Eröffnung des renommierten Festivals von Avignon: Frankreichs Frankreichs Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres musste eine Viertelstunde lang gegen ihn gerichtete Proteste ertragen. Die folgende Eröffnungsinszenierung "L'Histoire des larmes" (Die Geschichte der Tränen) von Jan Fabre fiel beim Publikum gnadenlos durch: Es gab Pfiffe und Buhrufe.

Mit Bravorufen wurde dafür Thomas Ostermeiers Berliner Inszenierung "Zerbombt" am Samstag gefeiert. Das Stück der englischen Autorin Sarah Kane thematisiert die Gewalttätigkeit der Menschen und die Grausamkeiten des Krieges.

Provokateur

Die eigens für das Festival kreierte Tanztheaterproduktion des belgischen Choreografen Jan Fabre handelt vom Menschen, der seinen Körper negiert und nur noch Gesetzen und Konvention folgt. Jan Fabre, der als Provokateur gilt, ließ zwei Stunden lang seine Tänzer, mal angezogen, mal nackt, auf Leitern klettern, mit Kissen auf dem Kopf wild über die Bühne rennen und in Glasflaschen pinkeln.

Die Eröffnung des Theaterfestivals wurde durch heftiges Protestgeschrei gestört. "Minister raus"-Rufe musste Kulturminister Donnedieu de Vabres, der im Publikum saß, ertragen. Seit mehr als zwei Jahren kämpfen Frankreichs technische und künstlerische Saisonarbeiter gegen die Reform der Arbeitslosenversicherung. Im Jahr 2003 führten ihre Streiks sogar zur Absage des Festivals von Avignon.

Ostermeiers zweistündige Produktion hatte bereits Anfang des Jahres an der Berliner Schaubühne Premiere. Während dort nicht alle Zuschauer die Vergewaltigungs- und Sadismusszenen bis zum Ende ertrugen, blieb das Publikum in Avignon hingegen regungslos auf den Rängen des herrlichen Innenhofs des "Cloître des Carmes" sitzen.

Weitere Höhepunkte des bis zum 27. Juli dauernden Festivals sind "Les Vainqueurs" (Die Sieger) von Olivier Py sowie "You made me a monster" von William Forsythe. Von Fabre werden in Avignon noch vier weitere Stücke zu sehen sein, darunter auch das bereits 2001 auf dem Festival gezeigte "Je suis sang" (Ich bin Blut). (APA/dpa)

Share if you care.