Frauenbeschäftigung: IHS-Studie gibt keine Entwarnung

29. Juli 2005, 20:40
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Hinweis auf "versteckte Arbeitslosigkeit" - Zentrales Problem: Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Wien - Das Institut für Höhere Studien (IHS) gibt Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) keine Entwarnung: "Die Arbeitsmarktsituation der Frauen ist als problematisch einzuschätzen.

Die jüngste Konjunkturbelebung kommt primär Männern zugute, und reduziert nicht die Frauenarbeitslosigkeit". Dies ist eine der Schlussfolgerungen der Studie "Frauen am Arbeitsmarkt - Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Jahr 2004". Zentral ist laut IHS die Lösung des Problems der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Im Auftrag von Rauch-Kallat

Die Studie, die der APA nun vorliegt, wurde von Rauch-Kallat in Auftrag gegeben. Im April 2005 wurde der Abschlussbericht erstellt. IHS-Chef Bernhard Felderer hatte beim Round Table zu Frauenbeschäftigung am 29. Juni einzelne Ergebnisse präsentiert, aber die gesamte Studie wurde bis jetzt noch nicht veröffentlicht. Von Seiten des Ministeriums hieß es gegenüber der APA, die Studie sei für den "internen Gebrauch".

Das IHS gibt zu bedenken, dass die tatsächliche Frauenarbeitslosenquote durch die Verlängerung der Karenzzeit auf drei Jahre sowie durch die Erhöhung der Teilnehmerinnen an AMS-Schulungen reduziert wird: Im Jahr 2000 wurden im Jahresschnitt 28.585 Jobsuchende auf Schulung geschickt, 2004 waren es bereits 42.645. Im Juni 2005 gab es laut AMS mit Stichtag 30. Juni 47.553 Schulungsteilnehmer, davon 23.545 Frauen und 24.008 Männer.

"Erweiterte Arbeitslosigkeit"

Deshalb spricht das IHS auch von einer "erweiterten Arbeitslosigkeit" und zählt Karenzgeldbezieher und Schulungsteilnehmer zur Statistik dazu. Die erweitere Arbeitslosenquote der Frauen sei "ganz erheblich gestiegen" und beinahe gleich hoch wie jene der Männer.

Auch auf Grund einer "versteckten Arbeitslosigkeit" dürfte die Betroffenheit bei Frauen höher sein. Welche Gruppen damit konkret gemeint sind, verrät das Institut nicht und verweist auf Lücken in der Forschung.

Weibliche Berufskarrieren weisen eine höhere Instabilität auf: Somit haben Frauen im Durchschnitt eine weiterhin geringere Berufserfahrung als Männer - und zwar um rund drei Jahre weniger.

Und diese Instabilität ist "auf die unvollständige bzw. begrenzte Integration der Frauen ins Erwerbsleben zurückzuführen, was durch die zunehmende Teilzeitbeschäftigung, zumindest im Niedrigqualifikationsbereich, eher noch verschärft, denn entschärft wird", heißt es in der Studie.

Frauenspezifische Risiken

Nach Ansicht der Studienautoren haben nicht Qualifikation und Konjunktur den größten Einfluss auf die Frauenarbeitslosigkeit, sondern diese höhere Instabilität und auch die Konzentration von Frauen auf Branchen, die von höherer Arbeitslosigkeit betroffen sind, wie Dienstleistungen, Gesundheit oder Gastgewerbe.

Für das IHS besteht Handlungsbedarf, damit sich die Frauenarbeitslosigkeit nicht verfestigt und zu einem strukturellen Problem wird. Für eine Lösung des Problems seien neben Maßnahmen, um Familie und Beruf leichter vereinbaren zu können, auch Maßnahmen zur besseren Qualifizierung und Integration von Migrantinnen zentral, betonen die Experten.

Teilzeit-Männer bekommen leichter Vollzeitjob

Für das IHS ist die Entwicklung der Frauenarbeitslosigkeit im Vorjahr ein "Anlass zur Sorge": Frauen mit Kinderbetreuungspflichten oder mit niedriger, aber auch mit hoher Qualifikation sowie Migrantinnen seien im Jahr 2004 besonders betroffen gewesen.

Die Studie weist darauf hin, dass Männern der Wechsel von Teilzeitbeschäftigung in Vollzeit leichter gelingt als Frauen: 72 Prozent der Männer, aber nur 23 Prozent der Frauen waren im Jahr 2000 wieder in einem Vollzeitjob zu finden, nachdem sie 1995 in einer Teilzeitbeschäftigung waren.

Vergleicht man das Verhältnis des Beschäftigungsstatus von Frauen und Männern im Jahr 1995 und 2000 kommt das IHS auf Grund von OECD-Daten auf folgenden Schluss: Männer stehen mit einer "deutlich höheren Wahrscheinlichkeit" als Frauen auch fünf Jahre später noch in Beschäftigung. Von allen Vollzeitbeschäftigten des Jahres 1995 sind Männer mit 94 Prozent auch im Jahr 2000 noch beschäftigt, bei den Frauen nur noch 86 Prozent.

Bei teilzeitbeschäftigten Frauen ist die Wahrscheinlichkeit, nach fünf Jahren noch einen Job zu haben, noch geringer und liegt bei 83 Prozent. Bei Männern sind es gleich bleibend 94 Prozent. Auffällig ist, dass Frauen auch deutlich häufiger in einem Teilzeitjob bleiben als Männer: fast zwei Drittel (60 Prozent) Frauen, Männer nur 22 Prozent.

Risikofaktor Kind

Auch das IHS weist auf die Probleme von Frauen im Haupterwerbsalter und Mütter am Arbeitsmarkt hin: "Die Arbeitslosigkeit ist bei Frauen zwischen 35 und 49 Jahren besonders stark gestiegen".

Und weiter: "Frauen während und nach der Familienphase, in der verstärkt Kinderbetreuungsaufgaben auftreten, sind damit besonders vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen."

Mehr männliche Langzeitarbeitslose

Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an den Gesamtarbeitslosen liegt bei den Männern höher als bei den Frauen. Allerdings ist bei den Frauen der Anteil der Arbeitslosen mit einer Vermerkdauer zwischen sechs Monaten und einem Jahr im Jahr 2004 deutlich angestiegen.

17,3 Prozent der Frauen sind so lange arbeitslos, aber nur 9,3 Prozent der Männer. Geht die Arbeitslosigkeit aber über ein Jahr, dann haben die Männer wieder das Nachsehen: 9,4 Prozent, hingegen nur 4,6 Prozent sind Frauen.

Dem Argument, dass die höhere Arbeitslosigkeit von Frauen auch darauf zurückzuführen sei, dass es nun mehr ausgebildete Frauen gebe, die auf den Arbeitsmarkt drängen würden, hält das IHS in dem Bericht entgegen: Kurzfristig kann das so sein, aber langfristig gesehen bedeute eine Erhöhung des Arbeitskräfteangebots aus ökonomischer Sicht nicht automatisch eine höhere Arbeitslosenquote. (APA)

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