Überflutungen in Teilen Österreichs

12. Juli 2005, 09:00
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Katastrophenalarm in Salzburg - Keine Entwarnung in Oberösterreich - Beruhigung im Kamptal - Zittern in der Wachau - Murenabgänge in Tirol

Wien/Linz/Salzburg/Innsbruck - Die Hochwassersituation in Österreich spitzte sich am Montagnachmittag weiter zu: Im Pinzgau und in Golling im Tennengau in Salzburg wurde Katastrophenalarm ausgerufen. Auch in Niederösterreich gab es noch keine Entwarnung. Oberösterreich, die Steiermark, Tirol und das Burgenland waren ebenfalls betroffen.

Katastrophenalarm in Salzburg

Der anhaltende heftige Dauerregen führte am Montag zu einem starken Anschwellen der Bäche und Flüsse sowie zu Murenabgängen im Bundesland Salzburg. Besonders betroffen war der Pinzgau. Schwerpunkt war Mittersill, wo die Salzachbrücke gesperrt werden musste und die Überflutung des Ortes befürchtet wurde.

In Salzburg standen alle Feuerwehren - Unterstützung kam aus Osttirol und Tirol - im Einsatz, hunderte Helfer errichteten mit Sandsäcken Dämme "und wir versuchen, die Salzach in ihrem Bett zu halten", berichtete Franz Michel, Sprecher der Bezirkshauptmannschaft Zell am See. 30.000 Sandsäcke wurden in den Raum Zell am See und zehn Tauchpumpen in den Raum Saalfelden angeliefert. Von Krimml bis Utteldorf ist die Salzach bereits an mehreren Stellen über die Ufer getreten. Im Wald im Pinzgau ist eine Siedlung bedroht - hier muss mit schwerem Gerät gegen die Wassermassen vorgegangen werden, die einen Damm auszuhöhlen drohen, so Michel.

Die Salzach ist im Pinzgau so stark angestiegen, dass auch Campingplätze evakuiert werden mussten. Die Bevölkerung und die Urlauber wurden aufgerufen, nur die nötigsten Fahrten mit dem Auto zu unternehmen.

Keine Entwarnung in Oberösterreich

Keine Entwarnung nach dem Dauerregen konnte Montagnachmittag der Hydrographische Dienst des Landes Oberösterreich geben. Die Feuerwehren in Oberösterreich mussten in der Nacht auf Montag zu mehr als 100 Einsätzen ausrücken. In den Bezirken Perg, Steyr, Steyr-Land und Kirchdorf traten mehrere Bäche und auch die Krems über die Ufer.

Am Nachmittag waren die Hochwasserwarngrenzen des Inn, der Donau und der Traun in Oberösterreich unterschritten. Ausgehend von der erhöhten Wasserführung der Salzach werde voraussichtlich am Abend zunächst der Inn, dann die Donau steigen, so die Experten. So könnte etwa in Schärding oder in Mauthausen im Bezirk Perg die Hochwassermarke erreicht werden. Mit großflächigen Überflutungen rechnete der Hydrographische Dienst aber nicht. In Steyr war die Situation weiter angespannt.

Stabilisierung im Kamptal

Im Kamptal hat sich die Lage inzwischen stabilisiert, die Prognosen für die Zubringer des Kamp ließen erwarten, dass es zu einer weiteren Beruhigung kommt, erläuterte Christian Labut vom Hydrografischen Dienst NÖ in der ORF-Sendung "Niederösterreich Heute".

Besonders kritisch stellte sich die Situation am Montag jedoch in Zwettl dar, wo die Zwettl über die Ufer zu treten drohte: "Es ist ganz knapp", so NÖ Landesfeuerwehrsprecher Jörg Würzelberger. Sehr hoch sei auch der Wasserstand der Lainsitz bei Gmünd. Bis zum Nachmittag war allerdings "alles ruhig" geblieben.

Heikle Lage bei Klosterneuburg

In Niederösterreich hat sich nach dem Dauerregen die Situation am Montag im Lauf des Tages verschlimmert, an der Donau wurden die Warngrenzen überschritten. Kritisch war es am Abend im Raum Klosterneuburg: Laut NÖ Landesfeuerwehrsprecher Jörg Würzelberger wurde für Kritzendorf die Räumung vorbereitet, per Radio-Durchsage wurde dazu aufgefordert, die geparkten Pkw aus dem Augebiet zu fahren.

Den Bewohnern der Au-Siedlung wurde empfohlen, heikle Güter in den ersten Stock ihrer Häuser zu transportieren. Evakuierung wurde zunächst noch keine angeordnet. Nach Einschätzung Würzelbergers dürfte es morgen, Dienstag, früh zu Überflutungen kommen. Auch vom Bahnhof Kierling sollten Pkw vorsorglich entfernt werden.

Heftige Gewitter gingen am Nachmittag erneut im Mostviertel nieder, Ybbs, Erlauf und Traisen schwollen an. Die Feuerwehr wurde zig Mal zum Auspumpen von Kellern gerufen.

Dem Experten zufolge dürfte die Lage neben der Klosterneuburger Au auch in der Wachau angespannter werden. Starke Niederschläge und überflutete Keller gab es dem Bericht zufolge auch im Raum St. Pölten.

Murenabgänge in Tirol

In Tirol haben die Niederschläge zu vereinzelten Murenabgängen geführt. Eine Almhütte wurde meterhoch von Erdmassen verschüttet, fünf Personen mussten aus dem betroffenen Gebiet ausgeflogen worden, teilte die Polizei mit. Zudem mussten Straßen gesperrt werden.

Gegen 11.30 Uhr ging im Bereich des so genannten Bärenbadkares im Zillertal eine Mure nieder. Die Bärenbadalm wurde zur Gänze verschüttet und zerstört. In den Stallungen dürften zwei Kühe und vier Schweine ums Leben gekommen sein.

Im Gemeindegebiet von Söll (Bezirk Kufstein) mussten wegen Hangrutschgefahr die Bewohner von drei Wohnhäusern evakuiert werden. Im Stadtgebiet von Kufstein trat gegen 10.45 Uhr der Mitterndorfer-Bach über die Ufer. In drei bis fünf fünf Wohnblöcken wurden dadurch die Keller überflutet.

Gegen 14.20 Uhr wurde die B173 vom Gemeindegebiet Kufstein bis zur Einmündung in die B178 in der Gemeinde Söll in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Es bestand akute Vermurungs- und Überschwemmungsgefahr auf der gesamten Strecke. Auch die L208 im Gemeindegebiet von Schwoich (Bezirk Kufstein) wurde ab der Einmündung in die B173 wegen Überflutung gesperrt. Zudem standen in Schwoich mehrere Keller unter Wasser.

Ein weiterer Murenabgang ereignete sich auf der B165 Gerlos-Bundesstraße am Hainzenberg. Auf einer Länge von 15 Metern war die Straße einen Meter hoch mit Geröll und Schlamm verschüttet worden. Die Straße blieb für mehrere Stunden total gesperrt.

Besorgnis in der Steiermark und im Burgenland

In der Steiermark waren die Wasserstände obersteirischer Flüsse, wie jener der Enns im Gebiet um Schladming und der Mur Besorgnis erregend. Auch im Mittelburgenland musste die Feuerwehr vermehrt ausrücken.

Die Gefahr ist noch nicht vorbei. Die Hohe Warte rechnet erst am Dienstag mit einer Entspannung der Wetterlage. Vom Osten her könnten zudem Gewitter die Situation weiter verschärfen. Eine spürbare Besserung der Witterung wird erst für Mittwoch erwartet. (APA)

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    Feuerwehr, Bundesheer und Freiwillige waren am Montag im Dauereinsatz um mit Sandsack-Barrieren die Gefahr einer Hochwasserkatastrophe zu bannen.

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