Glaubwürdigkeit bei Bankomat? - Eine Sache des Handlesens

17. Juli 2005, 09:21
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Statt mit Geheimziffern oder durch Fingerabdrücke will der japanische IT-Konzern Fujitsu Geldautomaten durch die Identifikation der Blutgefäße in der Handfläche sichern

Der japanische IT-Konzern Fujitsu bietet sein im Mai präsentiertes neuartiges biometrisches Identifikationssystem nun erstmals außerhalb Japans an. Bei dem System werden die Blutgefäße in den Handflächen gescannt. Diese Methode gilt als zehnmal zuverlässiger als Fingerprintsysteme, weil das Muster der Adern ein Leben lang gleich bleibt. Narben und Schmutz haben darauf keinen Einfluss. Zudem hat das System den Vorteil, dass die Überprüfung der Handfläche berührungslos und damit hygienisch erfolgt. Man hält zur Identifizierung bloß die Hand vor eine wenige Quadratzentimeter große Fläche auf dem Lesegerät.

Nachfrage steigt

Fujitsu trifft mit seiner Exportoffensive einen empfindlichen Nerv: Denn weltweit steigt die Nachfrage nach Sicherheitssystemen, die den Zugang zu Räumen regeln oder die Identifikation bei Geldautomaten durch biometrische Verfahren vornehmen.

Milliardenmarkt

Zielmärkte sind die USA, Europa (vor allem Großbritannien), Südkorea und Taiwan. In den nächsten drei Jahren rechnen die Fujitsu-Manager mit einem Umsatz von 80 Mrd. Yen (598 Mio. Euro).

Fujitsu und Hitachi

In Japan kämpfen die Elektronikriesen Fujitsu und Hitachi mit je eigenen Systemen um den Sicherheitsmarkt, wobei vor allem die Banken zur umworbenen Klientel gehören. Das Lager der Banken ist aber gespalten: Hitachi ist mit seinem Fingerlesegerät bei Sumitomo und Mizuho im Geschäft. Auch die japanische Post als größter Bankomatbetreiber übernimmt deren System. Fujitsu wiederum bedient die Bank of Tokio-Mitsubishi und die Suruga Bank, wo man bereits begonnen hat, Lesegeräte für die Handflächen neben den Bankomaten anzubringen. Die UFJ-Bank, die mit der Mitsubishi-Tokio-Group fusioniert hat, wird folgen.

Handlungsbedarf

Banken und Finanzministerium sehen dringenden Handlungsbedarf, was den Betrug mit gefälschten Kredit- und Bankomatkarten betrifft. Man ist übereingekommen, dass sowohl der vierstellige Code für Bankomatkarten, vergleichbar dem in Österreich gebräuchlichen PIN, und die Magnetstreifen auf der Rückseite dieser Karten nicht sicher genug sind, um vor Betrug zu schützen. Darum sollen längere PIN-Codes und zunehmend biometrische Sicherheitssysteme in den Servicecentern der Bankfilialen eingeführt werden. Die meisten Banken befürworten auch, dass man - wie in Österreich - die Höhe der täglichen Abhebung künftig limitiert auf 50.000 Yen (370 Euro).(Andrea Waldbrunner aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe vom 9.7.2005)

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