Blair will Terrorismus an Wurzel packen

13. Juli 2005, 12:45
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"Alle Überwachung der Welt" kann Anschläge nicht verhindern - Mehr Gerechtigkeit in der Welt und Frieden im Nahen Osten

London - Der britische Premierminister Tony Blair will den Terrorismus "an seinen Wurzeln" bekämpfen. In einem BBC-Radiointerview vom Samstag sagte Blair, dass "alle Überwachung der Welt" Menschen nicht daran hindern könne, in einen Bus zu steigen und unschuldige Menschen in die Luft zu sprengen. Es sei unausweichlich gewesen, dass Terroristen versuchen würden, in Großbritannien zuzuschlagen. "Aber es ist tragisch, dass ihnen dies geglückt ist", sagte Blair nach den U-Bahn- und Busanschlägen, bei denen mindestens 49 Menschen ums Leben kamen.

"Muslimische Gemeinden müssen aufstehen"

Er sei stolz darauf, dass Großbritannien ein offenes, liberales und multiethnisches Land sei. "Die Terroristen hätten gewonnen, wenn wir eine illiberale Gesellschaft würden", betonte Blair. "Bei dieser Art von Terrorismus liegt die Lösung möglicherweise nicht nur bei den Sicherheitsmaßnahmen". Vielmehr müsse die "grausame Pervertierung des wahren islamischen Glaubens" angegangen werden. Die moslemischen Gemeinden müssten aufstehen und sagen, dass Gewalt "zur Gänze unvereinbar" mit ihrem Glauben sei. Um das Übel an der Wurzel zu packen, müssten außerdem die Bemühungen um mehr Gerechtigkeit in der Welt und einen Frieden im Nahen Osten unternommen werden.

Vergleich mit Spanien

Auf die Frage nach dem umstrittenen britischen Engagement im Irak sagte Blair mit Blick auf die Anschläge vom 11. September 2001, das "schlimmste Terrorgräuel" sei vor dem Einmarsch im Zweistromland verübt worden. Außerdem hätten die Attentäter von Madrid ebenfalls weitere Anschläge geplant, obwohl es nach der verheerenden ersten Anschlagsserie am 11. März 2004 zu einem Regierungswechsel gekommen war und die neuen sozialistischen Machthaber ihre Truppen aus dem Irak abgezogen hätten.

Der frühere Labour-Abgeordnete George Galloway, der bei der Unterhauswahl im Mai überraschend als unabhängiger Kandidat in Ost-London ins Parlament gewählt wurde, hatte nach den Anschlägen gesagt, die Bürger Londons hätten damit "den Preis gezahlt" für die Kriege im Irak und Afghanistan. (APA/dpa)

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