Zweites Al-Kaida-Bekennerschreiben aufgetaucht

10. Juli 2005, 09:04
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Zweite Terrorgruppen will Aktionen "in den nächsten Tagen" intensivieren

Dubai - Zwei Tage nach den Anschlägen in London hat sich eine weitere Gruppe der Terrororganisation Al Kaida zu den Attentaten bekannt. Eine Gruppe von "Gotteskriegern", die der "Europäischen Division der Brigaden Abu Hafs al-Masri" angehörten, habe "Schlag auf Schlag gegen die ungläubige Hauptstadt, die Hauptstadt der Engländer" geführt, hieß es in einer am Samstag im Internet veröffentlichten Erklärung. Abu Hafs al-Masri ist ein während des Afghanistan-Krieges getöteter Terrorführer.

In dem Bekennerschreiben wird zugleich angekündigt, die Anschläge "in den nächsten Tagen" zu intensivieren. Die Aktionen sollen sich gegen jene richten, "die dem Islam und den Moslems den Krieg erklärt haben. Wir werden nicht ruhen, bis es auf islamischem Boden und für die Moslems im Irak, Afghanistan und Palästina Sicherheit geben wird."

Gruppe nicht unbekannt

Die Brigaden Abu Hafs el-Masri sind mit ihrem Bekenntnis nicht zum ersten Mal in Erscheinung getreten. Die Gruppe hatte sich schon zu den Attentaten in Madrid im März 2004 bekannt, bei der 191 Menschen starben.

Auch die Verantwortung für die Anschläge auf zwei Synagogen in Istanbul im November 2003 mit 25 Toten und auf den UNO-Sitz in Bagdad im August desselben Jahres hatte sie übernommen. Ob die Brigaden tatsächlich im Namen des El-Kaida-Netzwerks von Osama bin Laden handeln, ist allerdings umstritten. Die Authentizität des Bekennerschreibens konnte zunächst nicht überprüft werden.

Name geht auf Abu Hafs el-Masri zurück

Ihren Namen hat die Brigade vom früheren Al-Kaida-Vizechef Abu Hafs el-Masri, auch bekannt unter seinem Kampfnamen Mohammed Atef. Er war Militärchef der Al Kaida und wurde nach Angaben aus ägyptischen Geheimdienstkreisen bei den US-Angriffen auf das afghanische Tora Bora 2001 getötet. Nach seinem Tod übernahm der ägyptische Arzt Ayman al-Zawahiri den Posten als Stellvertreter von Extremistenführer Bin Laden.

Für die US-Behörden war Masri einer der meistgesuchten Männer. Die US-Regierung hatte auf den mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (21,0 Mrd. Euro) ausgesetzt. Bei den Anschlägen waren 1998 mehr als 220 Menschen getötet worden. Auch die ägyptischen Geheimdienste sehen in Masri den Hauptverantwortlichen für die Anschläge des Bin-Laden-Netzwerkes seit Mitte der 90er Jahre.

Masri verließ Ägypten Ende der 80er Jahre und schloss sich den islamistischen Gotteskriegern an, die in Afghanistan gegen die sowjetischen Soldaten kämpften. Seine äygptische Vergangenheit trug er allerdings weiter in seinem Namen, denn "el-Masri" heißt "der Ägypter". In Afghanistan machte er dann vermutlich Bekanntschaft mit Bin Laden, mit dem seine Familie bis heute verbunden ist: Eine von Masris Töchtern ist mit Bin Ladens Sohn Saad verheiratet. (APA/AFP)

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