Kritik an den Geheimdiensten

11. Juli 2005, 14:01
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Israelis sollen gewarnt haben - EU-Koordinator will Infrastruktur stärker schützen

Der Explosionslärm in der Londoner City war noch kaum verhallt, da schossen schon Spekulationen über mangelnde Geheimdienstarbeit und Verschwörungstheorien aller Art ins Kraut: So wurde etwa kolportiert, dass israelische Dienste die Briten vorgewarnt hätten. Denn ein Ziel könnte Jerusalems Finanzminister Benjamin Netanyahu gewesen sein, der am Donnerstag in einem Hotel über einer der betroffenen U-Bahn-Stationen zu einer Wirtschaftsdelegation hätte sprechen sollen. Das israelische Außenministerium dementierte - die Gerüchte wollten dennoch auch am Freitag nicht verstummen.

Kritisiert wurden auch die britischen Dienste: Sie hätten zwar generell gewarnt (der MI5 schrieb von einer "noch einige Zeit aufrecht bleibenden Bedrohung" durch Al- Kaida und deren Verbündete), sie seien aber nicht imstande gewesen, diese Netzwerke zu penetrieren und die akute Gefahr im Vorfeld zu erkennen.

Am Freitag meldete sich endlich auch der vor zwei Jahren ernannte und seither sehr unauffällig gebliebene EU-Antiterror-Koordinator zu Wort: "Niemand kann Sicherheit zu hundert Prozent garantieren", sagte Gijs de Vries. "Die Menschen sollen aufpassen", warnte er. "Aber lasst uns niemals feige werden." Es sei noch zu früh, die Londoner Attentate zu bewerten. Er sei jedoch seit den Anschlägen in engem Kontakt mit den Hauptstädten der EU.

Konkretes konnte de Vries nicht sagen, immerhin schlug er weitere gemeinsame Maßnahmen der Europäer im Kampf gegen den Terrorismus vor. Für die Union sei es vital, ihre wirtschaftlichen Lebensadern und Infrastruktureinrichtungen besser zu schützen. Eine europaweite Bestandsaufnahme sei dafür nötig. Im Energie- und Telekommunikationssektor könnten ähnliche Vorkehrungen getroffen werden, wie sie zur Sicherung im Luft- und Seeverkehr bereits in Verwirklichung sind. Der Kampf gegen den Terrorismus sei für die kommenden EU-Präsidentschaften Priorität, erklärte de Vries.

Von Christoph Prantner
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