Ombudsmann: In Tschechien keine Massensterilisierung von Roma

12. Juli 2005, 16:54
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Beschwerden von Dutzenden Frauen untersucht

Prag - In Tschechien hat es einer Untersuchung zufolge keine großflächige Sterilisierung von Frauen der Roma-Minderheit gegeben. Wie der tschechische Ombudsmann (Volksanwalt) Otakar Motejl am Freitag in Prag mitteilte, wurden dutzende Beschwerden von Roma-Frauen überprüft. Insgesamt hätten sich 78 Frauen an ihn gewandt und erklärt, Ärzte hätten sie zur Einwilligung in eine Sterilisierung gezwungen. In einem Fall sei die Patientin zum Zeitpunkt der Operation 19 Jahre alt gewesen. Wie Motejl weiter sagte, habe es sich bei den Klagen aber um Einzelfälle gehandelt.

"Die Beschwerden betreffen einen Zeitraum von 30 Jahren. Wenn man bedenkt, dass in Tschechien bis zu 1.000 Sterilisationen jährlich stattfinden, ist die Zahl der Fälle relativ gering", erläuterte der Ombudsmann. Gleichzeitig gab er zu, dass die Zahl der unfreiwilligen Sterilisierungen höher sein könnte. Es gebe jedoch keine Hinweise darauf, dass Roma-Frauen den Operationen systematisch unterzogen worden seien.

Die Untersuchung der Fälle hatte das tschechische Gesundheitsministerium im Herbst des vergangenen Jahres angeordnet, nachdem das Europäische Zentrum für die Rechte der Roma sich die Angelegenheit zu Eigen gemacht hatte. Einige der betroffenen Frauen bereiten nun rechtliche Schritte vor. (APA)

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