Stil und Eleganz des alten Japan

8. Juli 2005, 19:22
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Traditionelles japanisches Maskentheater am 12. August zu Gast im Museumsquartier

Wien - "Jede Bewegung, jeder Schritt, jede Note ist genauestens festgelegt und wurde seit Generationen von Vater zu Sohn weitergegeben", erläutert Shinsuke Toda, Leiter der Kulturabteilung der Japanischen Botschaft, den markantesten Unterschied zum "westlichen" Theater.

Tradition spielt eine große Rolle im Noh (zu deutsch: das Können), der ältesten erhaltenen Form des klassischen japanischen Maskentheaters, das sich im 14. Jahrhundert aus volkstümlichen Formen der Unterhaltung entwickelte. Am 12. August bietet sich im Museumsquartier die einmalige Gelegenheit, die hochstilisierte Bühnenkunst, in der sich Schauspiel und Tanz, Gesang und Instrumentalmusik verbinden, in Augenschein zu nehmen. Hochkarätige Schauspieler verschiedener Schulen geben eine gemeinsame Vorstellung, darunter Hôshô Kan, der in Japan den verdienstvollen Titel "Lebender Nationalschatz" trägt.

In "Sumidagawa" (Am Sumida Fluss) wird eine Frau auf der Suche nach ihrem Sohn an den Rand des Wahnsinns getrieben. Prachtvolle Gewänder, ausdrucksstarke Masken, starke Abstraktion durch symbolhafte Requisiten und minimale Bühnendekoration vermitteln die Faszination des alten Japan, unterstrichen durch die Eleganz und ästhetische Langsamkeit der ausschließlich männlichen Darsteller. Im Gegensatz zur Tragik des Noh Theaters steht das Vorprogramm mit einem Kyogen-Stück, ein Sprechtheater mit satirischem Charakter. "Kagyû" ist ein dynamisches Verwirrspiel um eine Schnecke mit lebensverlängernder Wirkung.

Anlass für die Aufführung ist das "Japan-EU-Jahr der Begegnung 2005", in Rahmen dessen die japanische Kultur und Gesellschaft den Europäern näher gebracht werden soll. Gelegenheit dazu gibt es demnächst unter anderem im Wiener MAK, wo Japan-Bilder, von Farbholzschnitten bis zur populärkulturellen Bildsprache der Manga, gezeigt werden. (kri, DER STANDARD - Printausgabe, 9./10. Juli 2005)

Karten

www.oeticket.com

Tel. 01/96096
  • Asami Masakuni in "Sumidagawa": Die Masken im japanischen Noh Theater sollen individuelle Züge der Darsteller verdecken und die Essenz des Menschseins repräsentieren.
    foto: association for japanese noh plays

    Asami Masakuni in "Sumidagawa": Die Masken im japanischen Noh Theater sollen individuelle Züge der Darsteller verdecken und die Essenz des Menschseins repräsentieren.

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